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Interview mit Thomas Olde Heuelt zu "Hex"

"Hex" ist sein erster auf Deutsch erschiener Roman. Es geht um eine Hexe, die seit 300 Jahren durch eine Kleinstadt wandelt - bis in unsere heutige moderne Zeit herein. Während sich die Bewohner längst an die Präsenz der Hexe (die zwar weder lautstarkt Zauberspüche skandiert noch in irgendwelchen Hexenkesseln herumrührt) gewöhnt haben, sind sie tunlichst bemüht, nichts davon nach außen dringen zu lassen. Sie selbst können die Stadt nie länger verlassen, denn der Fluch der Hexe, vor 350 Jahren durch die Grausamkeit der damaligen Bewohner der Kleinstadt Beek hervorgerufen, zwingt sie zurück in die Stadt. Sonst würden sie so lange von Selbstmordgedanken getrieben, bis sie dem nachgeben würden.


Thomas Olde Heuvelt, einer der wenigen niederländischen Phantastik-Autoren schreib sein Bcuh bereits 2013. Es wurde ins englische übersetzt - und Heuvelt schrieb für diese Ausgabe ein neues Ende. Nun ist das Buch auf Deutsch erschienen. Nicht in der ersten Fassung sondern als Übersetzung der englischen Version. Für mich persönlich war das Ende sehr enttäuschend und hat einiges vom ansonsten innovativen, frischen Eindruck des Buches gestört. ABER: die Entscheidung dazu traffen die Verleger, nicht der Autor. Sie konnten zwischen der Originalversion (also der holländischen) und der US-Version wählen.

 

Dazu der Autor:

 

"die Originalversion des Buches erschien 2013 in Holland. Sie spielte in der Stadt Beek nähe Nimwegen (Nijmegen), was übrigens nahe der Deutschen Grenze liegt. Es war ein typisch niederländisches Buch, eingebettet in die niederländische Kultur. Ich habe den Ort geändert als die internationalen Rechte an dem Buch verkauft werden. Warum ich das gemacht habe, darüber habe ich einen Artikel geschrieben, den man hier nachlesen kann:

 

https://www.tor.com/2016/04/15/americanizing-words-and-witches/

(Der Artikel ist auf Englisch)

 

für mich hat das eine Menge Sinn gemacht. Der Hauptgrund war Leser auf der ganzen Welt zu ängstigen. Nun wurde das Buch an 17 Verlage in 26 Ländern verkauft. Vielleicht ist es gut hier mal darauf hinzuweisen, dass die Verleger - auch Heyne - sowohl die niederländische Version wie auch die amerikanische Version angeboten bekamen. Und ohne ein einzige Ausnahme wählten alle die US Version. Das sagt schon einiges darüber wie die Welt so funktioniert, oder? Mich persönlich stört das nicht. Ich mag beide Ausführungen. Es war eine großartige Übersetzerin für die US Version involviert - ihr Name ist Nancy Forest Flier - aber ich habe ihre Übersetzung nochmal in meine eigene Art geändert (was ich kann da ich Englisch an der Uni studiert habe). Als ich das Buch für die US Version umgeschrieben habe, fand ich das original-Ende nicht mehr gut.

 

(...) die folgenden drei Sätze enthalten Spoiler, daher habe ich sie hier weggelassen.

 

Ich fand das viel stärker und viel menschlicher als das original-Ende. Mein niederländischer Verlag stimmte dem zu. Und als sie das neue Ende gelesen haben, habe ich das wieder ins niederländische rück-übersetzt (albeit im originären, niederländischen setting), es wurde in einer neuen Ausgabe verlegt und die hat sich dann 2017, also letztes Jahr 60.000 mal verkauft. Beide Enden sind keine happy endings. Die Geschichte hat sich tiefer in die dunkle Leere reingebohrt und es gab keinen Weg der Geschichte gerecht zu werden mit einem schönen Ende."

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