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"Das Koboltikum" - Christian von Aster

Vorneweg: das Buch ist eine echte Schönheit. In dezentem Grün gekleidet, unaufdringlich, aber trotzdem elegant, mit ganz eigenem Stil und Charme, partiell drucklackiert und einfach schön gestaltet - da kann die Kanzlerin nicht mithalten. Geschrieben wurden die Geschichten vom heimlichen Ehemann der Kanzlerin Christian von Aster. und bevor nun falsche Gerüchte aufkommen: das letzte war eine glatte Lüge. Christian von Aster IST die Kanzlerin. Und Holger Much heißt in Wirklichkeit Joachim Sauer.

Sein - Christian v. Asters - häufig leicht verschmitzt zwischen den Zeilen hervor lugender Humor ist in diesem Buch ebenso zu finden, wie ernsthafte und  moralisch lehrreiche Geschichten.
 

Versammelt sind derer sieben und ein finaler Acht-Zeiler, die alle bis auf zwei in Vers- und Reimform geschrieben sind.

Da gibt es etwa gleich in der ersten Geschichte "der Koboldfürst" zu spüren was passiert, wenn eine trunkene Wirtshausgemeinde den Zorn eines Koboldfürsten auf sich zieht.

 

 

 

"Twinkeldinkle Ferkelbauch"

 

Wie ein altes Märchen in modernem Gewand kommt auch "Twinkledinkle Ferkelbauch" daher. Hier ist die Moral eine umgekehrte - wer einem Kobold in der Not hilft, der kann auch in den Genuss seiner Dankbarkeit kommen. Und es ist ein Märchen - aber das erfährt man wie nebensächlich - über die Zerstörungskraft der Gier.

 

 

"Sturmtänzer"

 

"Sturmtänzer" wirkt wie eine Geschichte aus 1001 Nacht und hält eine arabisch anmutende Geschichte bereit in der ein Architekt nach Bagdad kommt um dort den Abbau und Transport eines alten Sultanpalasts zu überwachen. Des Nachts wird er von Alpträumen geplagt in denen kleine Gnome auftauchen. Sind die Wesen wirklich nur Teil des Alpdrucks oder sind sie am Ende wohlmöglich doch mehr als eine vom übernächtigten Gehirn hervorgerufenes Trugbild?

 



So abwechslungsreich wie die Geschichten sind auch die Illustrationen, die  Holger Much der einzige Schüler, den der große H.R. Giger je hatte, selbst geschaffen hat. Die sind so eindrücklich, so detailreich und so intensiv, strahlen eine solche Atmosphäre aus wie ich sie sehr selten in Büchern gesehen habe. Jede einzelne Illustration ist ein echtes, außergewöhnliches Kunstwerk.

 

 

 



Nicht jeder Reim in "Das Koboltikum" ist uneingeschränkt als die Krone der Lyrik zu bezeichnen, aber das ist wohl auch nicht gewollt. Christian v. Aster ist ein Sprachfetischist, der ebenso in moderner Schreibweise wie in altertümlicher klingender Redeweise zu Hause ist. Alle Geschichten haben ihre eigene Idee, ihre eigene Stimmung und  machen Lust auf eine längere Version. Es sind keine dahergeworfenen Kurzgeschichten, sondern sie alle interpretieren den Koboldmythos auf eigene Weise.


Das ganze Buch gibt es zudem noch als Hörbuch in Form einer schön gestaltete CD dazu. Gelesen von Christian v. Aster höchst selbst und aufgenommen von der ebenfalls als Schriftstellerin bei "Edition Roter Drache" erscheinenden Luci van Org. Das die Aufnahmequalität auf höchstem Niveau ist, muss kaum erwähnt werden, wohl aber die einleitende Musik, die ebenso schön wie verwunschen und stimmungsvoll in das Buch einleitet. So exotische Instrumente wie Cister und Oud (beides mit der Laute verwandte Instrumente) bieten einen so verwunschenen Sound als käme dieser von den Kobolden höchst selbst.
 


"Das Koboltikum" zeigt, wie auch kleine Verlage die großen mit Leichtigkeit überholen können: nämlich indem sie solche Gesamtkunstwerke herstellen, die sowohl inhaltlich wie auch äußerlich überzeugen können. Neben v. Asters Koboltgeschichten trägt die ganze Aufmachung zur Stimmung des Buches bei: vom Einband bis zum Vorsatzpapier, von der Gestaltung der Seiten bis zum Schriftsatz stimmt hier - inklusive Lesebändchen - einfach alles. Dass es zu dem Preis von knapp 17,-€ auch noch das Hörbuch dazu gibt lässt nur hoffen, dass die Produktionskosten des Buches verlustfrei eingespielt werden können und für jeden Beteiligten genug Motivation (und Geld) übrig bleibt, um mehr solcher bibliophilen Glanzwerke zu schaffen.
 

Das Buch ist ein Beispiel dafür, wie Bücher aussehen können, wie sie sich lesen können und wie sie klingen können - ein absolut stimmiges, rundes Gesamtkunstwerk.

 

 

 

 

 

 

"Das Koboltikum"

Christian von Aster / Holger Much

Edition Roter Drache, 60 Seiten

Hardcover, farbig illustriert

 

16,95 €

 

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