"12 Monate Angst"

Kurzgeschichtensammlungen stehen nicht unbedingt ganz oben in der Gunst der Leser. Zu schnell seien die Geschichten wieder zu Ende, alle paar Seiten müsste man wieder neu einstiegen und ein immer wieder gehörter Vorwurf lautet auch: da werden unausgegorene Geschichten gesammelt und veröffentlicht. Einige der fragwürdigeren Phantastik-Websiten weigern sich gar komplett, Anthologien überhaupt in die engere Auswahl zu nehmen. Ich lese hin und wieder gerne Anthologien. Gerade wenn man nach der Lektüre eines 600-Seiten-Wälzers nicht direkt wieder eine epochale Geschichte auf dem Nachttisch liegen haben möchte, tut eine Sammlung kurzer Erzählungen mal ganz gut.

 

 



Es gibt Anthologien, deren Geschichten alle die selbe Grundthematik haben. Anlehnungen an Cthulhu, Zombies - oder aber das Thema Angst. Bei der Zahl „zwölf“ bietet sich als Aufhänger sofort der Kalender mit seinen 12 Monaten an und auch hier lautet der Titel „12 Monate Angst“. Eine dreizehnte Geschichte von Markus Heitz ist sozusagen als Zugabe dabei.

 Die Herausgeber Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser haben unterschiedliche Autoren versammelt und Ihnen zu Aufgabe geben, mit Ihrem Geschichten Angst zu erzeugen. Zwei steuert das Autoren-Duett selbst hinzu, und auch Jan Christoph Prüfer durfte eine literarische Zugabe in Form einer zweiten Geschichte geben.

 

 

Die Illustrationen stammen von Jörg Kleudgen, der ebenfalls eine Geschichte beigesteuert hat und dem informierten Leser durch seine Tätigkeiten für andere Verlage und seinen eigenen Kleinverlag nicht ganz unbekannt sein könnte. 
Oliver Plaschka ist mit dabei, Markus Korb, Tobias Bachmann und andere Namen, die mal mehr mal weniger bekannt sind. Nicht jeder der Autoren wird jedem Leser bekannt sein, aber das sagt über die Qualität der Storys wenig aus; die Geschichten sind ebenso unterschiedlich wie

 abwechslungsreich. Und gruselig ist es fast immer. Da ist z.B. die Geschichte um einen Mann im Moor, der immer wieder „zieh mich raus“ ruft und irgendwie „falsch“ wirkt. Es gibt einen jungen Mann, der das Grab einer eben beerdigen Frau kurz darauf leer vorfindet.

 Und da gibt es diese Unterweltgröße - ein feister Mann, mit dessen Verdauung irgendwas nicht zu stimmen scheint.

Einige Storys wie etwa die um einen Jäger, der von Wildschweinen bedrängt wird haben keinen phantastischen Anteil, die meisten allerdings sind echte Horror-Kurzgeschichten. Da tauchen tot geglaubte wieder auf oder es wird ein Soldat im verschneiten Russland der Kriegsjahre von einem seltsamen Wesen verfolgt.

 Besonders beeindruckend und ebenso packend geschrieben wie phantastisch-gruselig sind die Geschichten „So ist das
Leben“, „Waffenbrüder“ und „der Mann im Moor“. Sie haben mich ob Ihrer Originalität und Spannungserzeugung nachhaltig beeindruckt. Auf wenigen Seiten schaffen sie es eine neue oder zumindest neu interpretierte Geschichte zu erzählen, nicht nur den richtigen Anfang sondern auch den richtigen Schluss so zu finden und so eine runde Geschichte zu schreiben.



 

Für mich gab es mit "Cthulhus Erwachen" nur eine Story, die ich als echten Ausfall bezeichnen würde: etwas lustlos, mit unpassendem Humor aber vor allem ohne Spannung und irgendeine Form von literarischem Mehrwert. Es kann nicht jede Geschichte für jeden Leser ein Treffen sein, aber für den Horror-Fan gibt es genug zu finden.

Ich hätte gerne auch zwei Euro mehr als die knapp 15,-€ bezahlt wenn  Buchblock und Umschlagpapier etwas hochwertiger gewesen wäre und sich nicht jetzt bereits wellen würde. Aber von der miesen Qualität der Amazon-Prints ist das Buch Gott sei Dank weit entfernt und den meisten Lesern wird es  wohl gar nicht negativ auffallen. Interessant ist es aber allemal, dass Verleger Torsten Low sich dazu entschlossen hat, das Buch nicht in Rumänien oder in anderen Billig-Ländern produzieren zu lassen sondern in Borsdorf bei Leipzig (dem ein oder anderen Festa-Fan dürfte der Name was sagen). Die heimischen Druckerein können mit den Kampfpreisen aus Osteuropa normalerweise nicht mithalten - hier aber wurde das ganze Buch tatsächlich in Deutschland hergestellt. Eine repektable Entscheidung, auch wenn die Gewinnspanne woanders sicher höher ausgefallen wäre.

Für 15,-€ bekommt man - entweder über den Handel oder direkt hier - dreizehn gruselige, zumeist phantastische Geschichten, die sich auf 380 Seiten hintereinander weg lesen lassen und dem Phantasten Abwechslung, Spannung und den ein oder anderen blutigen Moment bieten.




 

 

 

 

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