was ist Patreon?

"Die Welt ist im Wandel" - das ließen die Macher der "Herr der Ringe Filme" Saruman sagen. Ob er die seriöseste Quelle für Zitate ist sei dahingestellt, aber heute stimmt das zumindest. Gerade für Menschen, die kreativ, künstlerisch oder gestalterisch arbeiten und davon nicht leben können, bieten sogenannte crowdfunding Plattformen die Chance, sich fördern zu lassen. Denn "Patreon" bedeutet soviel wie Mäzen oder Förderer. Streng genommen bieten künstlerische Berufe keinen direkten, greifbaren Mehrwert - man kann sie nicht essen, anziehen oder sein Leben technisch erleichtern lassen. Aber man kann sich sehr wohl unterhalten lassen! das gilt für Bücher, Comics, Musik, Postkarten, Kunstwerke oder Filme. Generell muss man auch kein Künstler sein um sich supporten zu lassen - man muss nur irgendwas herstellen, das andere so interessiert, dass sie für das Produkt und den Entstehungsprozess bereit sind Geld zu spenden. "Patreon ist eine Plattform, die es Künstlern und Schöpfern einfacher macht Geld zu verdienen". So platt, einfach und gleichzeitig ehrlich und geradeheraus lautet die Message, die Patreon auf ihrer Presseseite als Headline zeigt.

 

Früher förderte die Sparkasse kleine Konzerte in Bürgersäälen oder Ausstellungen im Gemeindezentrum. Wer keine Kontakte hatte, nicht vernetzt war oder schlicht ein so kleine Gruppe Interessierter ansprach, dass es sich einfach nicht lohnte, der kann heute auf Patreon Förderer aus (theoretisch) der ganzen Welt ansprechen. Im Gegensatz zu puren Crowdfunding und Startup-Plattformen wie Startnext, Kickstarter oder Steady ist Patreon dafür gedacht, monatlich zu unterstützen. Dabei geht es nicht um große Summen - viele Supporter von Patreon - die sogenannten "Patrons" - geben erstmal jeden Monat einen Euro für Personen und Ideen, die sie für unterstützenswert halten. Es geht also nicht darum, schnell ein bestimmtes Projekt zu finanzieren und nach drei Monaten die Plattform wieder zu verlassen, sondern es geht um eine nachhaltige und längerfristige Finanzierung. Und jeder Unterstützung suchende Patreon freut sich wirklich über jeden Eure. Dabei sollen durch Goodies Anreize geschaffen werden (ähnlich wie bei Startnext): diese können sowohl reine Dankbarkeitsbezeugungen, private Dankesbotschaften, Nennungen im abspann oder exklusiver Videocontent sein wie auch handfeste, physische Dinge (auf der Patreon Seite von Creepy Creatures Reviews sind es bspw. Lesezeichen, die jeder ab einer monatlichen Spende von 5$ zugeschickt bekommt)

 

Gleichzeitig liegt aber - zumindest in Deutschland - darin auch das Risiko. Viele Unterstützer möchten sich nicht lange an etwas binden - vielleicht auch aus Angst, das irgendwann vergessen zu haben oder nicht zu wissen, wie sie den Geldfluss wieder abstellen können. Hier bietet Patreon aber die Möglichkeit sowohl die Summe wie auch die Modelle selbst auszuwählen. Man kann monatlich oder pro Video/Song/Buchprojekt spenden. Und wenn man nicht mehr will genügt ein Mausklick.

Der Gründer von Patreon, Jack Conte - ein bärtiger Hipster, der Musik-Videos produziert - verdient pro Video mit aktuell 1063 Unterstützern 3.651$. Auch wenn er "nur" ein Video pro Monat bringt, ist das ein höhrer Verdienst als ihn viele Angestellte erreichen. Aber selbst 100$ im Monat sind eine Summe, mit der man schon kleine Schritte machen kann. Der femministische Podcast "Frau Lila" bspw. kann sich aktuell über 104$ pro Folge - in der sich drei Frauen über das Weltgeschehen aus femministischer Sicht unterhalten - freuen.

 

Die Sci-Fi Schriftstellerin und immerhin Arthur C. Clark Gewinnerin Seanan McGuire bietet ein Abomodell an, in dem jede Kurzgeschichte (und nicht monatlich) unterstützt werden kann. Das tun über 2.000 Patrons und die Autorin nimmt dabei über 10.000$ pro Geschichte ein - eine Summe, die sie selbst als Verlagsautorin eines namhaften Hauses zu einer erfolgreichen Schriftstellerin werden ließe. Selbst fünf Kurzgeschichten im Jahr würden ein so komfortables Einkommen bieten, dass sie damit eine kleine Familie ernähren könnte. Davon träumen natürlich alle Patreton-Profile.

 

 

Allerdings verdient als erstes Patreon daran, danach Bankdienstleister wie bspw. PayPal und dann der Gründe. Von drei "fees" (also Gebühren) ist bei Patreons FAQ Seite die Rede: Patreon-Fee, Payment Processing Fee und PayOut Fee. Gerade die letzte leuchtet wenig ein, da bereits jeder Beteiligte seine Gebühren vorher eigentlich schon erhoben haben sollte: als erstes nimmt Patreon 5% von jedem, dann kommen die Gebühren des Transferdienstleisters (z.B. stripe oder Paypal) als eine Art Bearbeitungsgebühr. Als letztes werden dann noch Transaktionsgebühren fällig - wer die nun bekommt war für mich nicht verständlich. Vielleicht die Bank, vielleicht wieder der Transferdienstleister, also in dem meisten Fällen PayPal. Alle diese Gebühren belaufen sich bei mir bereits auf 21% (16% Banken und 5% Patreon). In diesem Fall sind es 1/5 der Einnahmen, die nicht beim Paetreon-Profil Inhaber ankommen. Ob ausgerechnet die Banken da so kräftig mitverdienen müssen ist zumindest diskussionswürdig. 4$ habe ich so in zwei Monaten - vor Gebühren - eingenommen. Effektiv sind das 2,60€ in acht Wochen. Eine doch eher ernüchternde Summe mit dem Gegenwert einer Packung Kaugummis. Einen Fahrschein der Bonner Verkehrsbetriebe (einfache Fahrt) könnte ich davon nocht nicht kaufen.

 


Das Sprechen über Bücher auf YouTube ist nicht nur auf der Videoplattform selbst sondern auch auf Patreon noch eine eher unbekannte und nicht unbedingt finanziell erfolgreiche Sparte. Selbst US-BookTuber erreichen selten höhere dreistellige Summen pro Monat oder pro Video.

Das deutsche auf Unterstützung hoffende "artits and creators" es schwerer haben sieht man daran, dass das Portal vor allem ein US Publikum anspricht und viele der Patrons und der Patreon-Gründer Amerikaner sind. Sucht man bspw. nach "Bücher" erscheinen Kanäle, die die Buchstabenkombination "buc" im Namen haben. Hier haben es Nicht-Amis noch ziemlich schwer, aber auch sie werden immer mehr. Sophie von "VersTand" hat den Schritt auch gewagt. Und wer denkt, 5$ im Monat wären nichts, dem sei gesagt: erstmal schaffen.

 

Patreon ist tatsächlich für viele Unterstützer und Unterstützung-Suchende noch was Neues. Wenn wir uns auch schon an die Crowdfunding-Plattformen gewohnt haben so ist diese Form der langfristigen Unterstützung noch relativ neu, unbekannt und vor allem nicht auf Deutschland an sich ausgerichtet.

Seit dem 26.04.2018 ist übrigens der erste mir bekannteSchriftsteller auch auf Patreon vertreten. Er sieht diesen Versuch selbst mit gemischten Gefühlen wie er auf Instagram durchblicken lässt. Aber es ist bis zu ihm, einem nicht unbekannten Autor durchgedrungen und kann vielleicht auch für ihn zu Hoffnung von Unabhängigkeit werden. Die Rede ist von Christian von Aster. Bereits zehn Minuten nach dem Start seiner Patreon Seite (genau um 11:30 an jenem Donnerstag, den 26.04.2018) hatte er ein monatliches Patreon-Salaire von 77$.

Sicherlich steckt Patreon noch in den Kinderschuhen was den Bekanntheitsgrad in Deutschland angeht - speziell bei der nicht ganz so umfassend informierten Internet Community. Auch sind die Großverdiener am Ende die anderen - aber es geht in die richtige Richtung. Deutschland täte gut daran, sein eigenes Patreon zu etablieren, vielleicht mit anderen Modellen - vor allem aber so, dass nicht nur Eingeweihnte und im Englischen Geübte sich dafür interessieren und darin auskennen können. Immerhin: die Welt ist im Wandel.

 

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