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"Squatters - die Besetzer" von M.J. Colletti

"Squatters - die Besetzer"
M.J. Colletti
Chaospony Verlag 2018

388 Seiten

Klappentext:

2056. Es ist zwanzig Jahre her, dass die Squatters auf die Erde kamen und alles verwüsteten. Niemand hat sie bisher je zu Gesicht bekommen. Nur ihre riesigen Maschinen, mit denen sie Jagd auf die verbliebenen Menschen machen, scheinen allgegenwärtig. Was mit denen geschieht, die eingesammelt werden, weiß niemand. Nur eines ist gewiss: Ist man einmal gefangen, kehrt man nie wieder zurück.

Als Lara erfährt, dass ihr Ziehvater von den Sammlern der Squatters entführt worden ist, fasst sie den Entschluss, ihn zu retten. Zusammen mit Ben und Kaleb ist ihr Ziel nichts geringeres als die Festung der Squatters selbst.

 

 

Es ist ein klassisches dystopisches Thema: eine fast entvölkerte Welt, einige wenige Überlebende in verschiedenen Gruppierungen, die sich gegeneinander behaupten müssen und eine dunkle Bedrohung, die über allem schwebt. Hier hat M.J. Colletti das literarische Rad nicht neu erfunden; gerade am Anfang schleppt sich die Geschichte etwas hin, die Einleitung fällt zu ausführlich aus. Auch die Charaktere wirken bekannt, aber das ist vielen lesern druchaus lieb.
Die Außerirdischen - eben jene Squatters - treten nicht in Erscheinung sondern bleiben (und das ist schön gemacht) immer diffus. Dafür treten aber die Maschinen, die von den Squatters zum Einsameln von Menschen genutzt wird in Aktion. Die Menschen nennen sie deswegen "Sammler". Wer von ihnen gefangen wird, kommt nicht wieder. Fast jeder der verbliebenen Menschen hat Freude, Bekannte oder Familie an die Sammler verloren - deswegen bleiben einige der Kolonien die meiste Zeit verborgen. Auch die Gruppe, zu der Lara gehört hat sich in einen alten Bunker versteckt. Die Angst vor den Sammlern aber auch vor den "Entern", einer brutalen und aggressiven Gruppe anderer Überlebender lässt die Menschen vorsichtig agieren und nach Möglichkeit im Schutz ihrer Behausung bleiben. Hinterfragt wird das nun von Lara, die ihren Ziehvater unbedingt zurück holen möchte und sich mit anderen aus ihrer aber auch aus der Gruppe der Enter dafür zusammen tut. Schon ihre Mutter wurde von dem Sammlern geholt und dieses Traume hat Lara nie verwunden. Auch ihre Waffenbrüder haben ihre Gründe mit Lara zu ziehen: da wäre als erstes Kaleb, der von den Entern und deren Blutrünstigkeit geflüchtet ist und der eigentlich zu viel weiß um ein einfacher Überlebender zu sein. Oder Benjamin, der zusammen mit seinem Bruder unterwegs war und nun diesen sucht. WIe hängen die Geschichten der einzelnen Charaktere zusammen? Wer ist vielleicht nicht der, der er vorgibt zu sein? Und wie verändert eine Reise zu den Squatters die Sicht auf die Welt und auf andere Menschen?

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Squatters ist der englische Ausdrück für "Hausbesetzer" aber auch für "wilder Siedler". Und um eine besetze Welt geht es in der Tat; das ist das Setting, in dem alle handelden Figuren gefangen sind auch wenn sich einige Ältere noch an eine Welt wie wir sie kennen erinnern können. Das Buch baut sich nach dem etwas schleppenden Anfang immer weiter auf. Die Squatters bleiben schemenhaft und die Hauptaugenmerkt der Geschichte liegt auf den Charakteren Lara, Kaleb und Benjamin, aus deren Sicht die Kapitel abwechselnd berichten. Die rote Linie des Buches - nämlich die Suche  nach Laras Ziehvater führt durch die Story und nimmt den Leser mit. Richtig spannend ist es selten auch wenn der Leser durchaus an der Geschichte dran bleibt. Der mysteriöse Kaleb offenbart sich häppchenweise und die eigentlich unnahbare Lara taut etwas auf. Wer die Squatters sind, welches Geheimnis sich hinter den Sammlern versteckt - das wird im Buch geklärt. Das Ende gelingt M.J. Colletti gut. Es kommt zwar etwas plötzlich, aber die Geschichte bekommt dort noch mal einen Twist, der schön ausgedacht ist. Wie schon in "CoEvolution" schafft sie damit etwas, was viele auch erfolgreiche Autoren regelmäßig versemmeln.

 

Für mich liest sich das Buch eher wie ein dystopischer Jugendroman. Die Geschichte ist weder besonders blutig (abgesehen von einigen wenigen Szenen fließt fast gar kein Blut), nicht besonders spannend und nicht besonders neuartig - aber sie unterhält den Leser. Für Jugendliche, die noch "neu" in dystopischen Geschichten sind, ist "Squatters" ein guter Einstieg. Der Roman hat alles, was ein dystopischer Roman braucht und ist doch soweit eigenständig, dass man nicht jede Wendung und Entwicklung voraussagen kann. Es bereitet keine schlaflosen Nächte, aber trotzdem will der Leser wissen, wie es weitergeht.

Für erfahrene Leser ist das Buch sicherlich auch unterhaltsam wenn auch vielleicht nicht unbedingt herausragend. Dafür bietet es zu kindgerechte Storyverläufe: die Unnahbare, der Mysteriöse, die brutalen Antagonisten und eine sich gegen Ende anbahnende, unnötige Liebesgeschichte.

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M.J. Colletti, die unter diesem Pseudonym ihren erster Roman "CoEvolution" als Selfpublisherin bei Amazon rausbrachte, hat mich mit ihrem Erstlingswerk besser fesseln können. Die Mischung aus Horror und Sci-Fi in "CoEvolution" war gewagt aber in meinen Augen sehr gelungen - ein unverdorbenes und innovatives Buch. Ob das Lektorat "Squatters" dahingehend beeinflusst hat, dass er leichter bekömmlich und massenkompatibler geworden ist, kann ich nicht beurteilen obwohl ich mir die Frage während des Lesens mehrfach gestellt habe. Es wäre schade wenn es so wäre. Das "Squatters" nicht das letzte Buch Collettis ist, steht fest. Man darf also gespannt sein wann und was aus ihrer Feder noch erscheint.


Ungefähr zehn Bücher hat der noch junge rheinland-pfälzische Chaospony Verlag (es gibt ihn seit 2017; die ersten Bücher kamen im Oktober des Gründungsjahres heraus) im Programm, darunter zwei Dystopien und vier Fantasy-Romane. Wie lange es den Verlag schon gibt, habe ich nicht rausfinden können. Jeder Verlag muss sich selbst erst finden und seine eigene Prägung entwickeln - das braucht Zeit. Ich bin gespannt, was sich bei Chaospony in Zukunft noch so tut.


affiliate Links zu den angesprochenen Bücher

  "Squatters"

  "CoEvolution"

 


                       Kurzinterview mit M.J. Colletti (von 2017)

 

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