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Interview mit Christopher Golden

Hierzulande gehört Chris Golden noch nicht zu den bekanntesten Horror-Autoren. Und das obwohl er seit Jahren unermüdlich schreibt und bereits viele Bücher in seinem Heimatland USA veröffentlicht hat. Aber auch in Deutschland werden nun langsam seine Bücher gelesen. Neben "Baltimore oder der standhafte Zinnsoldat und der Vampir", "Joe Golem und die versunkene Stadt" sind "der Fährmann" und "Sieben Pfeifer" erschienen. Die nächsten Rechte an deutschen Übersetzungen sind bereits geregelt.

 

In diesem Email-Interview mit mir erzählt Chris Golden von seinen Inspirationen, von dem, was für ihn guten Horror ausmacht und warum Religion ein gutes Mittel ist um das Böse in Büchern zu behandeln.

 


aus dem Buch "Baltimore oder der standhafte Zinnsoldat und der Vampir", erschienen im Cross Cult Verlag
Christopher Golden

creepy creatures reviews: Es scheint, als wären Sie ein Autor, der mehr Wert auf seine Charaktere und deren Entwicklung legt als auf brutale Szenen und Gemetzel. Warum ist das so?

Christopher Golden:
 Bei wirkungsvolle Geschichten jedweder Art dreht sich alles um die Identifikation mit den Charkateren. Wenn du das fühlst, was sie fühlen, wenn du dich selbst in ihre Lage versetzen kannst erlebt man das, was sie erleben viel stärker mit. Im Horror ist das mindestens genau so wichtig oder sogar wichtiger wie in jedem anderen Genre. Egal was passiert: ich will, dass es dich berührt. Ich will, dass du es fühlen kannst. Es ist ja nett, den Leser gruseln zu können, aber ich bringe sie viel lieber zum weinen.



 

creepy creatures reviews: Was ist so aufregend daran Menschen Angst einzujagen: mit viel Blut um sich zu werfen oder die Beschreibung von etwas Bösem, dass nicht greifbar ist.

Christopher Golden: Nochmal: ich glaube es ist das, was der Leser fühlt und nicht das Blut oder das Gore. In Filmen und im Fernsehen kann man sehr effektiv darin sein Horror hervorzurufen durch das, was die Leute sehen, aber selbst dann: wenn sie sich mit den Charakteren identifizieren können ist alles viel effektiver.


"Der Fährmann" und "Sieben Pfeifer" aus dem Buchheimverlag
aktuelle Bücher

creepy creatures reviews: Sie schreiben Sci-Fi, Fantasy, Steampunk und Horror - was fasziniert sie daran, warum schreiben Sie phantastische Literatur?



 

Christopher Golden: ich weiß es nicht, ganz ehrlich. Ich habe einfach immer das absonderliche und angsteinflößende geliebt. Ich habe mich immer zu Horror und Fantasy hingezogen gefühlt, als Kind auch zu Comics. Als ich älter wurde verliebte ich mich in Crime Fiction und mysteriöses und diese Genre liebe ich auch immer noch, aber als Schriftsteller kommt bei mir das sonderbare Zeug immer an die Oberfläche.

creepy creatures reviews: wenn Sie jemand fragt was ein guter Horror-Roman haben muss, was sagen sie dann?



 

Christopher Golden: menschliche Angst, nicht nur Monster. Wenn es Monster gibt, dann sollen die ursprüngliche Ängste bedienen - ob es die Angst vor der Dunkelheit oder dem Dunklen in uns selbst ist.

creepy creatures reviews: „Sieben Pfeifer“, „Der Fährmann“ ebenso wie „Baltimore oder standhafte Zinnsoldat und der Vampir“ beinhalten europäische Mythologien - sind sie davon fasziniert, von den der europäischen Mythologie?

 



Christopher Golden: War ich immer. So viele meiner Romanen erforschen europäische Mythologie und Geschichte. Ich habe Geschichte studiert. Aber es sind nicht nur die europäischen Mythen; Folklore und Legenden von überall auf der Welt berühren mich. Es hat mich immer fasziniert an welche absonderlichen und wundervollen Dinge Menschen einstmals geglaubt haben - sogar mehr als an das, an was die Leute heute glaube!

creepy creatures reviews: Gibt es irgendeinen Plot aus dem Sie gerne einen Roman machen würden aber nicht wissen, wie Sie es anstellen sollen?



 

Christopher Golden: ich habe eine Menge unausgegorener Ideen. Ich habe zwar Zutaten aber nicht genug für das ganze Rezept. Die meisten werden am Ende irgendwo genutzt, in irgendeinem Roman oder einer Geschichte - wenn ich herausfinde, welche Zutaten zusammen passen. Viele meiner Romane sind so entstanden.



 

creepy creatures reviews: auf was dürfen sich die deutschen Leser freuen - werden Bücher von Ihnen in den nächsten Monaten übersetzt werden?



 

Christopher Golden: es wird bald Bücher beim Buchheim Verlag geben aber die darf ich glaube ich jetzt noch nicht ankündigen. Und nächstes Jahr ein oder zwei Bücher bei anderen Verlagen, aber darüber darf ich noch nicht sprechen.


creepy creatures reviews: ich habe mal gelesen, dass es unhöflich ist über Politik und Religion zu reden wenn man mit Amerikanern spricht. Um die momentane politische Situation, die seit den 70er Jahren nicht mehr so angespannt war nicht zu erwähnen: ist Religion ein guter Weg Protagonisten die bösen Kräfte im Bann zu halten? Oder würden Sie als Autor sagen, dass echte Macht nur von menschlicher Stärke kommen kann?



 

Christopher Golden: Ich denke, dass Religion in der Dichtung ein guter Weg ist das echte Böse in der Welt ebenso wie das übersinnliche Böse zu behandeln. In der echten Welt müssen die Menschen das für sich selbst tun. Selbst wenn man an Gott glaubt darf man den alten Spruch nicht vergessen „Gott hilft denen, die sich selbst helfen“. Keine höhere Macht wird in unsere Welt treten um sie zu retten aber hoffentlich kann die Kunst Menschen dazu inspirieren, das selbst zu tun.



 

 

Vielen Dank Christopher Golden!

 

 


 

 

 

 

 

Im Interview erwähnte Bücher
(Incentive Links zu Amazon)

"Sieben Pfeifer" (mit Amber Benson)
Buchheimverlag 2018

 

"Der Fährmann"
Buchheimverlag 2017

"Baltimore oder der standfeste Zinnsoldat und der Vampir"
Cross Cult Verlag


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