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Interview mit Anke Koopmann - Coverdesignerin

"Designomicon" heißt Anke Koopmanns Grafikbüro. Sie designt Buchcover für Autoren wie Markus Heitz oder Julia Lange und

© Elm Haßfurth
Anke Koopmann

hat einige der großen aber auch kleineren Verlage als Kunden. Für »Wedora« von Heitz (Knaur) hat sie ebenso das Cover gestaltet wie für Neil Gaimans »Niemalsland« (Eichborn).

Zwar werden Coverdeisgner oftmals im Buch genannt, aber wenn sie nicht besonders aufwendige Illustrationen beisteuern, gehen sie manchmal unter. Dabei ist ihre Arbeit kaum zu unterschätzen, denn sie entscheidet oftmals über einen Kauf. Ein Cover, dass dem potentiellen Käufer direkt ins Auge sticht entscheidet nicht selten darüber, auf das Buch doch einen Schritt näher zuzugehen, es in die Hand zu nehmen und mit zur Kasse zu nehmen. Nicht wenige Leser sind überhaupt erklärte Cover-Käufer. In diesem Interview erzählt Anke Koopmann von ihrer Arbeit

(Foto: (c) Elm Haßfurth)

 

creepy creatures reviews: wie kommt man dazu Coverdesigner für Bücher zu werden?

Anke Koopmann: Ich habe mich schon immer gerne kreativ betätigt und mich auch für Bücher und Comics interessiert. Also habe ich nach dem Abitur etliche Bewerbungen für Grafikdesign-Praktika geschrieben. In der Agentur, in der ich dann gelandet bin, wurden Buchcover gestaltet. Das hat mir so sehr gefallen, dass ich bis heute dabei geblieben bin. Es ist einfach etwas Besonderes.

 

creepy creatures reviews: woraus besteht der Beruf: selbst zeichen, Fotos und Grafiken kaufen oder selbst fotografieren - oder alles?

Anke Koopmann: Bei mir ist es wenig selbst zeichnen oder fotografieren, das können andere Leute einfach schneller und besser. Ich erarbeite eher was auf das Cover wohin kommt und briefe es dann gegebenenfalls. Wenn es sich mit zugekauften Bildern umsetzen lässt, gestalte ich das Cover komplett selber. Kleinigkeiten zeichne ich natürlich schon auch mal, aber an einer schönen Illustration für z.B. ein Fantasybuch würde ich viel zu lange sitzen und es wäre nur halb so schön wie bei den richtigen Profis. Dafür bin ich Profi im Schriftbereich, das ist auch ein ganz eigener, komplexer Bereich.

 

creepy creatures reviews: Wie geht man bei einem Cover vor: beginnt es mit einer Idee oder mit Vorgaben des Verlags?

Anke Koopmann: Der Anfang bzw. die Vorgaben sind recht unterschiedlich. Zu manchen Büchern bekomme ich viel Material – also ein detailliertes Briefing mit Personenbeschreibungen, ein Exposé oder sogar das fertige Manuskript – zu anderen nur eine kurze Zusammenfassung. Oft sind auch Cover mit angegeben, die dem Verlag gut gefallen und zeigen, in welche Richtung es gehen soll.

© Elm Haßfurth
bei der Arbeit

(Foto: (c) Elm Haßfurth)

creepy creatures reviews: was genau gilt es zu beachten? Wie wichtig ist Farbgebung, Lichtstimmung und wie wichtig ist der Bildinhalt?

Anke Koopmann: Beachten muss man eigentlich alles davon. Es kommt am ehesten darauf an was transportiert werden soll. Bei romantischen Titeln z.B. spielt die Farbgebung eine größere Rolle – die abgebildeten Personen sind ja auch oft nur Silhouetten. Hier soll Gefühl transportiert werden. Bei einem Krimi spielt der Bildinhalt eher eine größere Rolle. Wenn ein blutiges Messer abgebildet wird aber nicht ein einziges Mal vorkommt ist das eher merkwürdig. Das ist bei sonnigen, unbestimmten Landschaften und sich umarmenden Pärchen im Gegenlicht leichter.

 

creepy creatures reviews: was muss ein gutes Cover für dich haben - und was sollte es nicht haben?

Anke Koopmann: Für mich zeichnet sich ein gutes Cover dadurch aus, dass es neugierig macht und man das Buch sofort in die Hand nehmen will. Es muss gar keine neue, innovative Idee sein, sie muss nur gut umgesetzt sein. Auf die passende Mischung von Schrift, Motiv und Stimmung kommt es an, die dem Zielpublikum verspricht, dass genau das drin ist, was drauf ist.

creepy creatures reviews: gibt es einen ersten Entwurf der bis zur finalen Version führt und dann schon nicht mehr erkennbar ist oder ist der erste Entwurf meist schon nah am Endprodukt?

Anke Koppmann: Meistens ist der erste Entwurf schon sehr nah an der Endversion, siehe die Entwürfe für Sonja Rüthers Roman „Geistkrieger“. Ihr war der Wolf der ersten Version nicht geisterhaft genug. Daraufhin habe ich Version zwei und drei gemacht, Nummer zwei ging dann in die richtige Richtung aber er sollte noch weniger sichtbar sein. So sind wir dann bei der finalen Version gelandet. Meistens klappt es nicht, zu viel auf einmal an einem Entwurf zu ändern. Natürlich kann man einzelne Elemente wie Schrift und/oder Farbe und Helligkeit anpassen, aber irgendwann ist das Cover nicht mehr stimmig. Man versucht erfolglos daran herumzuschrauben und stellt dann fest, dass ein Neuansatz sinnvoller ist.

 Fallstudie von Anke Koopmanns Cover zu "Geistkrieger" von Sonja Rüther - vom ersten Entwurf (links) bis zur finalen Version (ganz rechts)
zum Vergrößern klicken!

 

creepy creatures reviews: welches deiner Cover magst du besonders?

Anke Koopmann: Alle :-)

creepy creatures reviews: Andere Illustratoren berichten von regelrechten Kämpfen um ihre Cover: da MÜSSEN Schilder, Schwerter, Stein und Fahnen auf dem Cover sein - eigene neue Ideen sind unerwünscht. Wie sehr muss man sich von seinen eigenen Vorstellungen lösen und in dem Moment einfach nur Dienstleister sein?

Anke Koopmann: Ich sehe mich größtenteils als Dienstleisterin und setze um, was gebrieft wird. Natürlich bespreche ich vorher alles mit dem Kunden und mache Vorschläge oder bringe andere Ideen ins Spiel, wenn ich der Meinung bin, dass das besser passen würde.

www.designomicon.de
Website von "Designomicon"

creepy creatures reviews: Behältst du die Rechte an den Covern oder gehen die - ähnlich wie der Text - erstmal an den Verlag?


Anke Koopmann: Die Nutzungsrechte gehen an den Verlag, aber nur für dieses Projekt und die vereinbarte Nutzungsart. Das Urheberrecht kann man in Deutschland nicht abgeben und das Recht zur Eigenwerbung behalte ich natürlich auch.

creepy creatures reviews: Wenn du ein Cover zu einem Buch, dass es noch nichtgibt entwerfen solltest: was würdest du gerne unbedingt mal auf ein Cover machen und hast es bisher nicht?

Anke Koopmann: Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Bei mir ist es eher so, dass ich etwas lese/Input bekomme und dann fängt mein Gehirn an zu rattern. Genau das ist es, was ich an meinem Job auch so spannend finde – das ich morgens noch nicht weiß was ich bis abends aufs digitale Papier gebracht habe.

 

 

 

 

Danke Anke Koopmann!

Mehr über "Designomicon" und Anke Koopmann hier:

https://www.designomicon.de/

 


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