Interview mit "the dandy is dead" zu »Basement Tales«

Pulp-Heftchen waren eine mehr aus der Not heraus entstandene Literaturform, die in den USA der 30er Jaher aufkamen und sich bis in die 50er Jahre hinein hielten. Es waren Magazine, die auf billigem Papier gedruckt waren (Pulp, oder auch das deutsche "Pulpe" bedeutet nicht mehr als Papierrohmasse; der Fachmann spricht auch von "Faserbrei") und Inhalte hatte, die nicht in literarische Hochkulturen passte. Nämlich Sci-Fi, auch Horror, Mystery - gerne auch mit sexuellen Elementen, die aber zumeist nur angedeutet waren.

Dies nahm sich Tom Becker zum Vorbild, als er 2018 das erste »Basment Tales« Heft herausbrachte. Stimmig bis zum letzten sind die Kurzgeschichten weder auf reinweißem noch auf Hochglanzpapier gedruckt sondern auf Recyclingpapier (oder zumindest einem, dass danach aussieht).

Tom Becker versammelte in jedem der zwei bisher erschienen Hefte Underground-Autoren und bekannte Namen, Horrorschreiber und Autoren von Steampunk, Fantasy und solche, die sich keinem Genre fest zuordnen lassen. Christoph Marzi (»die uralte Metropole«, »Mitternacht«) ist ebenso dabei wie Isa Theobald (»19«) oder Christian von Aster (»das eherne Buch«, »das Kobolitkum«) und Germaine Paulus («Pfuhl«). Wie "the dandy is dead“ die Idee zu den heften gebar, was sein Ziel ist und warum es die Hefte gibt beschreibt er hier


Wie bist du auf die Idee zu »Basement Tales« gekommen?

Wir hatten diese Idee, "Roadkill-Literatur", wie wir es nennen, zu
machen und dachten uns, warum sollte zum Beispiel ein reiner
Fantasy-Autor, jemand, der sich dem Horror widmet, oder ein Steampunker
nicht auch mal Pulp oder Pulp-Noir schreiben wollen? Fantasy-Pulp, hört
sich spannend an. Oder Romantasy-Horror. Cross-over, worauf man eben
Bock hat. Oder beim Alten bleiben, auch okay. Solang's ein bisschen
strange ist und zu dem diffusen Begriff „Roadkill-Literatur“
passt.

 

 

Wolltest du denn von Anfang an eine Magazinreihe machen?

Eigentlich waren ja nur ein paar echt coole Pulp-Noir-Romane geplant,
aber als wir diese Idee herausplauderten, war die Resonanz unfassbar.
Inzwischen ist eine "Basement-Tales-Familie" entstanden, der fast 30
Schreiberinnen und Schreiber angehören. Da sind solche dabei, die mal
crossen wollen, aber auch totale Newbies neben den alten Hasen.

 

 

 

Was bedeutet "Pulp" eigentlich für dich?

Pulp bedeutet vom Wort her Schund. Finden wir toll. J. H. Chase
(„Nett wie ein Loch im Kopf“), maximum Pulp, maximum inkorrekt.
Heutzutage lacht man drüber und freut sich über Titel wie "Tote sind einsam",

"Brillanten für die Bestie" oder "Satan in Satin", bewundert Frederic Browns "His Name was Death". Bekannte Pulp Autoren sind Robert Bloch, Ray Bradbury, Raymond Chandler, Arthur C. Clarke, Philip K. Dick, H. P. Lovecraft, George R. R. Martin und so weiter. Muss ich dir garantiert nicht sagen. :) Für mich persönlich absolut dazu gehört auch Joe R. Lansdale, einer meiner Lieblingsschriftsteller. Filme wie "Pulp Fiction" oder „Sin City“ bringen es auch gut auf den Punkt (wobei bei „Sin City“ der Comic fast besser ist).

 


Und was ist das faszinierende am Pulp?

Das Überzogene, Überhöhte, Spannende. Das gefällt uns. Das wollten wir machen. Und dabei auch noch die Kurzgeschichte auf eine andere Bühne stellen. In Anthologien (und was gibt es Tolle am Markt!) sind immer ein ganzer Haufen Autoren präsent. Bei uns immer nur eine Handvoll zu einem Thema. Das sie sich übrigens selbst ausgesucht haben.

 

 


Etwas besonderes an deinen heften sind die an Filmplakate angelehnten Poster zu den einzelnen Geschichten. Wie kam es dazu, hat das einen Grund??

Ja, das hat einen ganz besonderen Grund: Im Bereich von Musik und Film gibt es die Tradition der „Gig-Poster“ ja schon ewig. In der Belletristik vermissen wir das einfach. Also machen wir es! Jeder Kurzfilm hat ein Poster, auch wenn er nur 2 Minuten lang ist. Warum also nicht auch die Kurzgeschichte? Gerade die Kurzgeschichte! Sie ist ein tolles Medium, muss sich nicht hinter dem Roman verstecken.

 

Unser Ansatz ist: egal, welches Genre, egal, welcher Stil, geiler Scheiß muss es sein. Schund mit Style eben.

 

 

 

mehr Infos unter:
https://thedandyisdead.de/

 

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