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»German Kaiju« Kurzgeschichten mit Godzilla und Co.

"Kaijū ( janapisch: 怪獣, wörtlich: „seltsame Bestie, rätselhafte Bestie“) ist ein japanischer Begriff, der sich auf fremdartige Kreaturen bezieht, besonders Riesenmonster, wie sie in japanischen Fantasiefilmen, -serien (Tokusatsu) und Anime dargestellt werden."

Soweit informiert Wikipedia all diejenigen, die bis jetzt nicht wussten, was Kaiju bedeutet. In Deutschland ist die Popularität nicht so hoch wie im asiatischen Raum, aber auch hierzulande gibt es Fans des Kults um Riesenbestien. Einer von ihnen ist Markus Heitkamp, der als Herausgeber neun Autoren versammelt hat, die alle zum gleichen Thema schreiben: Giganto-Bestien. Nur sind die Schauplätze diesmal nicht in Asien sondern in Hessen, Norddeutschland oder Berlin. „Germain Kaiju“ ist also durchaus wörtlich zu nehmen, denn alle Geschichten rund um Riesenmonster, die aus irgendeiner Tiefe kommen, spielen in Deutschland; auf einer Karte im Innenteil des Umschlags findet man die Spielort, aber dazu später mehr.

 Der Leser, der wenig Übung mit Riesenmonstern in Büchern hat, mag irgendwo zwischen Faszination, Abgestoßenheit, Verwirrung und dem Gefühl, im Keller die Konservendosen aufzustocken liegen.

Da wird z.B. Frankfurt von einer Riesenbestie angegriffen, aus der Erde unter dem Flughafen Schönefeld bricht etwas heraus oder die Besatzung eines Container-Schiffes wird von etwas unheimlichen aus der Tiefe angegriffen.

So unterschiedlich wie die Geschichten sind auch die Autoren, ihr Stil und ihre Herangehensweise. Eine gute Anthologie lebt von dieser Diversität und auch bei „German Kaiju“ gibt es diese Unterschiede - leider auch in der Qualität der Geschichten. Ausgerechnet die erste, in der Frankfurt kurz davor steht platt gemacht zu werden ist eine von denen, die etwas klischeebeladen und erwartbar daher kommt. Andere aber wie etwa Wolfgang Schröders „Chaodoru - das Grauen aus der Tiefe“ können mehr bieten. In kleine Kapitel unterteilt, die in den Subheadlines die Zeit runterzuholen (Es beginnt bei T - 10 Tage ) wartet der Leser darauf, wie der Instandhaltungschef des Flughafens Schönefeld auf das Grauen trifft. Auch das offene Ende trägt dazu bei, dass man sich hier wirklich ein bisschen wie bei den Monster-Filmen fühlt, die sich mit einem Cliffhanger am Ende eine Fortsetzung offen lassen. 



Marc Hamacher, der Verlagschef vom „Leserattenverlag“ sprach sehr ehrlich von „Trash“ als er das Buch beschrieb. In einem der drei (!) Vorworte beschreibt Hamacher, wie der Herausgeber Heitkamp mit der Idee zu ihm kam und wie das Buch im „Leserattenverlag“ gelandet ist. „Eigentlich versuche ich eher die Nische der Funtastic, des Witzes und des Klamauk zu besetzen, aber wieso nicht auch Kaiju?“ Die Funtastic - am Rande sei das gesagt - ist ein ganz eigenes Genre und für mich nicht zu ertragen weil zu gewollt, zu oberflächlich und zu banal. Offen gibt Marc Hamacher zu, von der Materie keine Ahnung zu haben „aber dafür gibt es ja ihn, Markus Heitkamp, einen der irrsten Nerds der Szene in Deutschland“. Und in der Tat liest man auch aus Heitkamps Vorwort (dem zweiten der drei) die Leidenschaft und Liebe zu Kaiju und der asiatischen Kultur der Riesenmonster heraus. Spätestens wenn er schreibt, wie er im Bett (in dem er nicht alleine liegt) mit kleinen putzigen Godzilla Figuren spielt…

Es ist eben jener, geplante und gewollte Trash, der immer zwischen Kultfaktor und echtem Müll wandelt.Zwischen den altenjapanischen Filme, die noch im aufwendigen Stopmotion Verfahren produziert wurden und die heute wirklich nur noch die eingefleischten Fans begeistern können und modernen Filmen wie bspw. »Cloverfield« liegen Welten - sowohl was die Story, die Intention und auch die Erzählweise oder den Stil angeht.


Ähnlich lesen sich auch die Geschichten in dieser Sammlung. Die Idee, die die Phantastikszene um ein solches Experiment, dass in seiner Aufmachung und Gestaltung ein hohes Niveau hat ist toll und wünschenswert. Auch der Innenteil der Klappbrochure ist stimmungsvoll gestaltet - hier finden sich auf einer Karte auch sämtliche Schauplätze der klar regional verankerten Kurzgeschichten, so dass (fast) jeder eine Monster-Geschichte lesen kann, die bei ihm in der Nähe spielt. Das Buch mit seinem roten Farbschnitt ist also stimmig, atmosphärisch und schön gestaltet, das Cover passt zu der Gratwanderung zwischen Trash und Kunst. Ein Filmplakat, das wie an die alten Plakate jener Filmklassiker erinnert, die noch vor CGI überfrachteten Monster-Horror-Filmen herausgebracht wurden. Das Branbdenburger Tor im Hintergrund, eine grüne, klauenbewährte, schuppige Monster-Tatze (und ein Mann im Blaumann mit rotem Besen in der Hand?).

Vor allem aber die Idee, eine letzte Geschichte separat zu verpacken (und das ist durchaus wörtlich gemeint) ist großartig. 


Ganz am Ende des Buches, auf die letzte Seite findet der Käufer einen Umschlag, den man laut Aufschrift nur im Notfall öffnen soll. Darin ist eine letzte Geschichte von Christian von Aster - wie sie eben auch nur Christian von Aster schreiben kann. Es geht um ein großes, grünes Monster bzw. um einen 99jährigen Hausmeister, der in einem Luxus-Altenheim lebt und nun notgedrungen sein bisher eisernes Schweigen brechen muss.
 Aber passt blos beim Öffnen auf - ich habe fast den Brief und die Seite, auf der er aufgeklebt war zerrissen. Es sind solche kleinen Ideen, die aus einem Buch etwas besonderes machen können.

Dass sich der ein oder andere der neun Autoren (nebst einer Autorin) etwas verrannt hat oder die Trash Schippe etwas zu voll genommen hat ist für viele Fans sicher unerheblich. Für alle Leser, die sich mit dem Thema nie näher beschäftigt haben, kann das Buch einige Wissenslücken schließen und mit einigen Geschichten für echten Grusel sorgen. Gemacht ist es aber wohl hauptsächlich für jene Fans, die Anspielungen und Zitate erkennen - sie können mehr aus dem Buch mitnehmen als der Leser, der sich nicht für Godzilla und andere T-Rex Klone interessiert. 
Für mich war keine Geschichte dabei, die mich richtig umgehauen hätte - vielleicht weil ich einfach kein großer Godzilla und Riesen-Monster Fan bin. Nur aus Interesse 18,-€ für durchwachsene Geschichten auszugeben - das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen und bin von den Storys als solchen nicht überzeugt.

Für bibliophile Menschen kann dieses Buch allerdings zu einem echten Sammlerobjekt werden - nicht nur aber auch wegen des ominösen, astaesken Umschlags (dessen Inhalt ich hier bewusst nicht zeige) - sondern auch wegen einiger der Geschichten,  die Hingabe aller Macher zum Thema und eben dem Buch als toll konzipiertes Gesamttkunstwerk, dem man die Leidenschaft aller Beteiligten einfach anmerkt.

Die Anthololgie erscheint am 18.03.2019 und kann vorbestellt werden

 

 

 

 

 

 

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