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»der Montag fängt am Samstag an« von Arkadi Strugatzki

So kann es gehen, wenn man nicht richtig hinschaut. Der Titel und vor allem das Cover haben mich angesprochen, die Geschichte als solche auch:

 

Klappentext:
"Der junge Programmierer Alexander Pawlowitsch Priwalow ist im Norden Russlands unterwegs, als er mit einer Autopanne in der fiktiven Stadt Solowetz liegenbleibt. Hier ist alles ganz normal: Bürger gehen ihrer Arbeit nach, das Wetter ist gleichmäßig schlecht, und im Institut regiert die Bürokratie. Nur dass das Institut streng geheime Forschungen mit übernatürlichen Phänomenen betreibt …"

 

Gegliedert ist die Geschichte in drei Teile, nämlich die Ankuft des Protagonisten Alexander "Sascha", der mit seinem Auto in eiskalter Winternacht zwei Anhalter mitnimmt. Man kommt ins Gespräch und die beiden laden Sascha ein mit ihnen im Dorf zu übernachten. Schließlich kommt Sascha irgendwie dazu im Insitut zu landen um dort an Übernatürlichem zu forschen.

Die beiden folgenden Teile spielen in diesem Insitut, in dem Sasche sonderbaren Wissenschaftlern, Märchengestalten und anderen obskuren Gestalten begegnet. Das alles ist im typisch russischen Stil gehalten, der mit leichter Ironie aber mit viel umständlichen Beschreibungen und ausgebreiteten Nebensächlichkeiten daher kommt. Die Charaktere bleiben teils grotesk flach und unausgearbeitet - was möglicherweise gewollt ist. Schon der Anfang, der Saschas Übernachtung und das Zusammentreffen mit einer alten Frau, dem das Haus in dem genächtigt wird gehört ist so unerträglich umständlich, langweilig und belanglos, dass es mich verwundert hat. Erst dann habe ich bemerkt, dass der Roman über 50 Jahre alt ist... Es ist meine eigene Schuld, darauf nicht genügend geachtet zu haben und wie schon andere Bücher habe ich versucht auch dieses im Kontext seiner Entstehungszeit zu lesen.

Aber dieses mal ist es mir sehr, sehr schwer gefallen und ich komme mit Strugatzkis Stil einfach überhaupt nicht zurecht, finde die Dialoge hölzern bis abstrus, die Personen nicht zu Ende gedacht und die ganze Handlung schlichtweg schlecht geschrieben. Sicherlich war das in den 60er Jahren, als das Buch entstand ein Novum und wohlmöglich auch einzigartig in seinen Ideen und in der Freiheit, die sich die Strugatzkis aus damaliger Sicht in ihrer Geschichte genommen haben. Aber für mich war es - ganz ehrlich - einfach nur todlangweilig. Es liest sich so schwer, schleppend und umständlich, dass ich die Hälfte des Buches nur noch quer gelesen habe und froh war, dass es irgendwann vorbei war. Da konnten auch die phantastischen Elemente, die in Form von Entitäten auftauchten nichts dran ändern.

Meine Erfahrungen mit russischer Literatur sind gleichermaßen gemischt wie in vielem ähnlich: Es geht mir fast immer so, dass ich die Charaktere zu hölzern und facettenlos finde. Mein erstes (nicht phantastisches) Buch eines russischen Autors war Lew Kopelews "Tröste meine Trauer", in der er das Nachkriegsrussland beschreibt. Noch heute erinnere ich mich an eine Szene, in der Kopelew beschreibt, dass die Soldaten Kölnischwasser tranken um sich zu berauschen - Alkohol gab es einfach nicht.
Dmitry Glukhovsky und Sergej Lukianenko haben mich beide etwas ratlos zurückgelassen, dass ich sehr wohl die Story-Ideen mochte, auch das Worldbuilding beeindruckend fand, aber - ausgenommen von "Metro 2033" - waren mit die Entwicklungen der Hauptpersonen immer zu vorhersehbar, zu flach und naheliegend. Vielleicht bin ich einfach nicht für russische Literatur gemacht. Denn auch Glukhovsky, dessern "Metro 2033" für mich immer noch zu den eindrucksvollsten Sci-Fi/Horror Romanen der letzten Jahrzehnte zählt, konnte mich mit "Sumerki" und "Future" überhaupt nicht mehr begeistern. Ich bin wohl wirklich nicht dafür gemacht.

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