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»Kill Creek« von Scott Thomas - enttäuschende Anhäufung von Klischees

Irgendwo im ländlichen Kansas steht ein altes Haus mit schauriger Geschichte. Schon der Erbauer starb eines grausamen Todes und auch die nachfolgenden Bewohner haben ihr Heim nie lange überlebt. Gerade diese Geschichte ist es, die vier der erfolgreichsten Horror-Autorin sich hier zusammen finden lässt. Die Zusammenkunft soll eine multimediale PR Maßnahme sein - in Interviews sollen per Lifestream die Zuschauer mehr über ihre vermeintlichen Idole erfahren.

Und auch wenn einige der vier Schreibenden nicht ganz überzeugt sind, machen sie doch am Ende alle mit. Und erfahren sowohl über die Geschichte des Hauses wie auch über die ihrer Mitstreiter mehr, als sie es vielleicht wollen.


 

Der Roman ist - das sei als erstes erwähnt - eine Aneinanderreihungen althergebrachter Horror-Klischees. Schon die vier Autorinnen und Autoren sind wie aus dem Lehrbuch entnommen: es gibt die promiskuitive, punkige Extrem-Horror Autorin mit bewegter Kindheit, den alten weisen Autor, der distinguiert auftritt, Ruhe in die Mannschaft bringt und an den richtigen Stellen wieder mit Weisheiten um die Ecke kommt.

Natürlich hat auch er in seinem Lebenslauf einen dunklen Fleck, von dem niemand weiß. Und dann gibt es noch den klischeehaftesten aller Schriftsteller-Charaktere: den einstmals erfolgreichen, heute aber in die Bedeutungslosigkeit absinkenden Zweifler, der eben diese in Alkohol ertränkt. Und dann gibt es den sonderbaren reichen Mäzen, der - Achtung - eine schwarze Freundin hat. Huch! Scott Thomas hat die Alibi-Afro so plakativ inszeniert, dass die Figur zu gewollt erscheint. Nicht etwa als Charakter, der nun mal schwarz ist und das kaum erwähnenswert wäre, dass also eine andere als die weiße Hautfarbe eben eine andere als die weiße wäre - nein, es ist der klischeebeladene Versuch, eine Quoten-Ethnie im Buch zu haben. Wie in den 90ern.

Auch die Horror-Momente des Buches sind wie aus der B-Movie Kiste entnommen: schemenhafte Erscheinungen etwa, die am Rande des Gesichtsfeldes kurz erscheinen. Oder Mauern, die plötzlich nicht mehr da sind, wo sie vorher waren. Gegenstände, die ihre Plätze wie von Zauberhand wechseln.
Und dann plötzlich stirbt das Kind eines der vier Autoren: die des braven gläubigen, übergewichtigen Phantasten, der ein gläubiger Christ ist - zumindest am Anfang der Geschichte noch ohne jedweden Zweifel an Gott und seiner Güte.

Die Geschichte plätschert in aller ihrer Erwartbarkeit und Inspirationslosigkeit zäh über hunderte von Seiten. Der erfahrene Leser von Hounted-House-Stoffen weiß eigentlich nach 50 Seiten schon wie die Geschichte verläuft, erkennt Kilometerweit im Voraus die Wendungen und „überraschenden“ Momente des Buches.



Scott Thomas "Kill Creek" ist ein in höchstem Maße durchschnittliches und dadurch gähnend langweiliges Buch, dass nichts originelles hat. 

Scott Thomas hat hier sein Erstlingswerk veröffentlicht und dabei irgendwie das Glück gehabt, dass es - zumindest in Deutschland - einen großen Verlag gefunden hat. Was äußerst verwunderlich ist, denn das Buch ist so seichter Durchschnitt und so langweilig, dass man sich fragt warum Selfpublisher keine Chance bekommen, dieses Buch aber schon. Der relativ kleine Verlag „Inkshares“, bei dem das amerikanische Original erschienen ist, scheint seine Autoren auch durch Ausschreibungen zu generieren. Titel wie „Dracula vs. Hitler“ oder „how to Get run over by a truck“ lassen zumindest leichte Verwunderung aufkommen. Das sich die großen Phantastik-Verlage in den USA offenbar nicht für „Kill Creek“ interessiert haben, hat in Deutschland Heyne aber nicht davon abgehalten es mit Scott Thomas zu probieren. Dabei hat das Buch in anderen Amazonen (wie dem Amerikanischen oder italienischen) durchweg schlechte Bewertungen. Irgendein Agent war da sehr gut in seinem Job - und irgendwer im Verlag hat sich davon einlullen lassen. Nur so ist zu erklären, warum ein so qualitativ minderwertiger Stoff so weit gekommen ist.



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