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Nachlese "Das Elixier des Lebens"


Das meiste, was es zur Entstehung des Buches zu sagen gibt, haben sowohl Lars wie auch ich in unseren Vor- und Nachworten bereits geschrieben. Aber wie es für mich als Erstlings-Herausgeber war ein Buch herauszubringen, das möchte ich nun, da alles Bücher und CDs verkauft sind, mit euch teilen.

Das erste, was fest stand, war die Titelgrafik. Ich hatte sie bei einem der noch bezahlbaren Stock-Anbieter gefunden und wusste, dass ich den reduzierten Stil ebenso mochte wie das Motiv des Mädchens mit dem Augen-Ballon.

Während Lars und ich die Geschichten gemeinsam ausgesucht haben, habe ich die Crowdfunding-Kampagne geplant. Ich wollte nicht zu viele der „Dankeschöns“ (wie die Belohnungen oder Goodies bei Startnext genannt werden) anbieten aber dann auch wider nicht zu wenige. Die Bücher mussten kalkuliert werden und zwar in einem Maß, dass die Kampagne die Kosten für Produktion, Druck, Satz, Layout und Verpackung plus Versand sowie die Pressung der CDs einspielen musste. Gerade die Sammlerexemplare waren so knapp kalkuliert, dass ich immer wieder darüber nachgedacht habe, den Preis doch noch zu erhöhen. Zwei Wochen lang habe ich daran geknuspert, welche Pakete zu welchem Preis ich anbieten sollte. Auch über die Limitierung der Sammlerausgabe und der Namensnennungen musste ich nachdenken. Im Nachhinein betrachtet, hat die Idee mit den Namensnennungen das Projekt am deutlichsten aufgehalten. Denn das Buch konnte erst in den Druck gegeben werden, wenn die Limitierung erreicht wurde. Das aber passierte sehr spät, so dass gegen Ende der Kampagne zwar das Buch bereits fertig gesetzt und gelayoutet war, aber buchstäblich auf einige wenigen Zeilen Text (nämlich die Namen) warten musste. Das hat einiges aufgehalten, so dass ich mir dafür beim nächsten mal irgendwas anderes überlegen muss um die Sache zu beschleunigen.

Dann musste ich durch einen bürokratischen Bestätigungsprozess bei Startnext (den ich ausdrücklich begrüße, denn es gibt andere Crowdfunding Plattformen, die nicht so genau hinschauen). Irgendwann kam das „go“ von Startnext und ich habe die Kampagne veröffentlicht.

Was sowohl Lars wie auch mich glücklich gemacht hat und etwas staunen lies war der Umstand, dass die Sammlerausgaben nach vier Stunden ausverkauft waren. Die Lehre, die ich daraus ziehe ist die, dass es beim nächsten Projekt mehr Sammlerausgaben geben wird. Sicherlich nicht mehr als 50, aber doch mehr als 20.

In der ersten Woche war bereits die reinen Produktionskosten fast vollständig eingespielt. Hier begann die Arbeit von Betty, meiner Frau. Die ersten Geschichten wurden gesetzt und gelayoutet. Betty hat einen Rahmen für die Titel der Geschichten entworfen und auch mit dem Klischee für die Sammlerausgaben begonnen. Zu diesem Zeitpunkt standen bereits sechs Geschichten fest, bei den anderen haben Lars und ich noch diskutiert. Gerade bei einer Vampir-Geschichte waren wir uns dann absolut nicht sicher. Denn die im Buch vereinten Geschichten mussten auch in der Hörbuch-Version funktionieren. Gerade bei Texten dieses Alters und mit einer teils blumigen Sprache besteht durchaus ein Unterschied zwischen vorgelesen und selbst gelesen. Da waren die Sätze oft zu ausgeschmückt und zu lang so dass ich beim Einsprechen schon gemerkt habe, dass man sich als Hörer wohl sehr anstrengen muss. Zudem waren auch lange Einleitungen ein Grund Geschichten nicht aufzunehmen. Bei einem Hörbuch-Roman, bei dem man sich auf fünf, zehn oder noch mehr Stunden Hörgenuss einlassen kann war - so meine Befürchtung - die Bereitschaft auch längere Einleitungen zu „ertragen“ höher als bei Kurzgeschichten, die in ihrer Gesamtlänge nicht länger als 20 Minuten sind. Aus diesem Grund sind einige Geschichten noch während der Kampagne ausgetauscht und neu ausgesucht worden.
Hier zeigte sich auch, wie gut Lars und ich uns ergänzten. Während das ganze Know-How und das Wissen über alte Texte von Lars kamen, der in der Materie so gut drin war wie kaum ein anderer (ausgenommen Eric Hantsch) versuchte ich eher aus Sicht eines zeitgenössischen Lesers an die Texte ranzugehen. Wir haben sehr schnell einen Konsens gefunden - dabei hatte ich vor diesem Teil der Buchentstehung noch am meisten Besorgnis und sah uns schon hitzige Streitgespräche am Telefon führen. Aber nichts dergleichen ist passiert.


Ich beobachtete währenddessen den Fortschritt der Kampagne. Mit jedem Tag wurde zwar der Zulauf kleiner, aber bei dem fulminanten Start war das wohl zu erwarten. Eingeschlafen ist die Kampagne nie. Bis zum letzten Tag kamen jeden Tag mindestens zwei Unterstützer dazu. Als das erste Funding-Ziel erreicht war, war klar, dass das Buch entstehen würde. Betty arbeitet weiter mit Hochdruck an Satz und Layout und ich ging auf die Suche nach einer Druckerei und einem Presswerk.

Eigentlich wollte ich das Buch und die CD in Deutschland produzieren lassen. Ich hatte Angst vor den Billigdrucken nach Amazon-Manier mit schlechter Mattfolienkaschierung, gegen die Laufrichtung gedruckten Blättern und billigen Papp-Einbänden, die sich schon beim ersten Aufschlagen wellten. 
Mein Erstaunen war groß, als die ersten Druckereien schon abwinkten als ich mit einer Auflage von 200 Stück kam. Denn die 150 Exemplare des Taschenbuchs brauchten noch mindestens 30 Ausgaben aus denen der Buchbinder die Sammlerausgaben produzierte. Außerdem wollte ich 20 Exemplare behalten um mögliche Verluste der Post wieder auszugleichen - deswegen auch die Mehrmenge bei den Sammlerausgaben.
Durch meine Frau hatte ich Kontakt zu einer Druckerei in der Nähe von Bonn, die uns auch zu einem Gespräch eingeladen hat. Und obwohl man da freundlich und hilfsbereit  war, wurde schon die Auswahl des Papier ein Problem. Denn ein gebrochen-weißes Papier (cremefarben) war kaum zu bekommen. Und der Chef der Druckerei machte kaum einen Hehl daraus, dass er mir davon abraten würde das Buch bei ihm zu drucken. Als schließlich die Kalkulation kam, war auch klar warum. Mit allen Kosten lag die Druckerei acht mal höher als das teuerste Online-Angebot. Ich hatte zwar in die Kalkulation einen Puffer eingebaut, aber der hätte diesen Preis nie aufgefangen.

Also blieb mit nichts anderes, als eine Online-Druckerei zu wählen. Auf dem BuCon in Dreieich habe ich ein paar Verleger interviewt und mir deren Bücher angeschaut. Mit Ausnahme von Torsten Low druckte kaum jemand seine Bücher in Deutschland. Immer wieder fiel der Name eines Online-Anbieters und da ich die Bücher in die Hand nehmen konnte, anfassen, durchblättern und erfühlen konnte, fuhr ich mit der Gewissheit nach Hause mit booksfactory.de eine Druckerei gefunden zu haben. Man konnte aus einigen Papierarten und Qualitäten auswählen, konnte die Druckart und die Kaschierung selbst bestimmen und auch das Format völlig frei gestalten Die Frage: Eingeschweißt oder nicht? Beantwortet ich mit leicht schlechtem Gewissen schnell. Die Bücher mussten verschickt werden und alles, was sie vor Feuchtigkeit und allzu rabiatem Umgang schützen könnte, wäre von Vorteil.

Die Suche nach einem Presswerk dauerte ungefähr eine Woche. Kaum verwunderlich: auch hier waren die Onlineangebote deutlich günstiger. Einige Anbieter nahmen Aufträge unter 1.000 Einheiten nicht an, bei anderen waren es 500. Schließlich fand ich in eine Firma, die mit der Auflage von 100 Stück einverstanden war. Auch hier wusste ich nicht, wie die CD am Ende aussehen würde. Ich wollte kein altmodisches und dickes Jewel Case, wiederum aber auch keine einfache Kartontasche. Die Lösung hieß dann entweder DigiSleeve oder DigiPack - also Karton mit wahlweise einem Plastiktray oder mit Einstecktaschen. Da es herkömmliche CDs werden würden - keine MP3 CDs - war der Platz äußerst beschränkt: pro CD passen 80 Minuten auf eine Scheibe. Platzsparend und ansprechend gestaltet war also das DigiPack das Mittel der Wahl. Die Audio-Dateien konnte ich online hochladen und irgendwann kam auch von deinescheibe.de die Mitteilung: „Auftrag in Produktion“. Ein Häkchen mehr auf der Liste - und die bange Hoffnung, kein böses Erwachen erleben zu müssen.

Während die Kampagne immer weiter lief musste ich noch einen Buchbinder für die Sammlerausgaben finden. Mittlerweile war mir klar, dass ein Verleger Job nicht nur harte Arbeit war sondern zudem sehr zeitintensiv. Es gab immer etwas zu entscheiden, zu suchen, immer Angebote einzuholen, Layout-Entscheidungen zu treffen, Gestaltungsfragen zu diskutieren, Schriftarten auszusuchen, Farben zu wählen…

Als es auf die Suche nach dem Buchbinder ging, war ich eigentlich schon ziemlich fertig und hätte gerne Urlaub gemacht. Aber der musste noch warten. Es gibt zwar in jeder größeren Stadt in Deutschland noch Handwerksbuchbinder, aber die meisten sind festgelegt auf Jahreszeitschriften und Registerbände, Bibliotheksausgaben und ähnliches, bei denen zumeist Magazine oder Schriften aus einem Jahr gebunden werden. Mit den Vorstellungen über das Aussehen des Sammlerexemplars (die aufwendige Rückenprägung, zwei Lesebändchen, handgeschöpftes Vorsatzpapier, Farbschnitt, Leineneinband, Goldprägung, Personalisierung etc.) waren einige schon überfordert und gaben nicht mal ein Angebot ab. 
Nur einer antwortete sofort und schrieb, dass das genau sein Ding sei und er das gerne machen würde. Er verwies auf seine Homepage und mir gingen fast die Augen über: gefühlt jedes der teuren Bücher aus dem TASCHEN Verlag schien Roland Zimmer gemacht zu haben. Die preisliche Obergrenze konnte er aus einhalten und somit war klar, dass ich einen Buchbinder gefunden hatte.

Die letzte Geschichte von Lars kam, Betty hatte den Buchblock fast fertig und es konnte losgehen. Die Aufkleber waren schon angekommen und konnten begutachtet werden. In letzter Sekunde - einen Tag vor dem In-Druck-geben hatte sie noch eine Idee für die verschnörkelte Schriftart bei den Geschichtentiteln.

Dann war es soweit. Ab jetzt hieß es warten - auf die CDs und die Bücher, auf das Ende der Kampagne und auf die Zahl der zu verschickenden Bücher. Pause war noch lange nicht, denn ich musste hundert Versandtaschen organisieren, adressieren und frankieren. Damit wollte ich nicht erst bis zum Ende der Kampagne warten sondern arbeitete vor. 

Nach neun Tagen kamen die CDs, nach dreizehn die Bücher. Ein kleines und zwei dicke Pakete standen in meinem Arbeitszimmer, dazu Kartons mit Versandtaschen, Briefpapier für die Anschreiben und Aufkleber. Völlig vergessen hatte ich bei der Kalkulation, dass ja theoretisch auch aus anderen Ländern Unterstützer dabei sein könnten. Tatsächlich kamen einige aus Österreich und einer aus der Schweiz. Dass die Versandkosten bei diesen Sendungen auf sieben oder sogar neun Euro steigen könnten - das hatte ich nicht bedacht. Mit diesen Bestellern machte ich also bereits Miese. Daraus gelernt habe ich, dass in jeder neuen Kampagne die Versandkosten separat gehalten werden, also nicht mehr in den Paketpreis eingerechnet werden. Auch hatte ich mit weniger Versandtaschen gerechnet so dass die rund 3.800 € doch nicht so komfortabel reichen würden.

Drei Tage dauerte es dann auch um alle Taschenbücher und CDs zu verpacken. In drei Schüben schleppte ich große blaue IKEA-Taschen zur nächsten Postfiliale. Am Anfang waren die Mitarbeiter dort etwas erstaunt, aber das legte sich bald.

Parallel arbeitete das Team von Roland Zimmer an der Sammlerausgabe. Bei einem Besuch hatten wir uns vorher auf die Art des Bezugsstoffes und die Farbe für den Farbschnitt geeinigt - ich konnte es kaum erwarten, das fertige Buch zu sehen.

Exakt in der ersten Dezemberwoche war alles fertig. CDs und Bücher waren verschickt, Die Sammlerausgaben abgeholt, gut verpackt und ebenfalls auf den Weg gebracht. Das Projekt war abgeschlossen.

Rückblickend würde ich wenig anders machen. Eine CD begleitend zu produzieren werde ich mir aber überlegen. Die Nachfrage nach der CD ohne Buch war äußerst gering, die Kosten dafür aber relativ hoch, der Zeitaufwand ebenfalls. Aber wenn, würde ich wieder zu deinescheibe.de gehen. Die Kommunikation mit Booksfactory war ausgezeichnet, das fertige Buch entsprach den Erwartungen - auch hier würde ich wieder hingehen. Und zu Herrn Zimmer sowieso. Nur die Versandkosten werde ich anders berechnen. Auch die Kosten für die Sammlerausgabe werde ich weniger knapp kalkulieren. Denn wären nur drei Bestellungen aus dem Ausland gekommen, hätte ich mit diesen Ausgaben Verlust gemacht.

Für zukünftige Projekte werde ich Kosten anders verteilen. Da Lars das Lektorat und seine Frau das Korrektorat unentgeltlich gemacht haben, muss ich die Kosten für beides einkalkulieren. Teures Seidenpapier zum Einschlagen der Sammlerexemplare werde ich wohl weglassen und auf die Reste zurückgreifen, die ich noch habe.

Jedem Unterstützer, Teiler, Supporter, Käufer und überhaupt allen danke ich nochmals herzlich für die Unterstützung bei „Das Elixier des Lebens“. Es ist UNSER Buch, denn ohne euch wäre es nicht möglich gewesen.

Das nächste Buch wird kommen. Auch wieder mit Kurzgeschichten - allerdings nicht von toten Dichtern sondern von zeitgenössischen Autoren. Es wird noch etwas dauern, aber ich bin mir sicher, dass es euch gefallen wird.



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