Leipziger Buchmesse abgesagt!

 

Wegen der ständigen, latenten Bedrohung durch das neuartige Corona-Virus wurden in den vergangenen Wochen bereits große internationale Messen wie die ITB in Berlin, die Handwerkermesse in München oder die "Pro Wein" in Düsseldorf abgesagt. Es war für viele also nur noch eine Frage der Zeit bis auch die LBM absagen würde. Wie viele andere auch schwankte ich zwischen "mulmigem Gefühl" und großer Vorfreude. Die Entscheidung zur Messe zu gehen oder eben auch nicht wurde mir und allen anderen Besuchern, Ausstellern und Gästen nun abgenommen. Auf der Webseite der Leipziger Buchmesse ist seit heute (03.03.2020) zu lesen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"schweren Herzens und mit großem Bedauern müssen wir Ihnen heute mitteilen, dass die diesjährige Leipziger Buchmesse, die für den 12. bis zum 15. März geplant war, nicht stattfinden wird. Gleiches gilt für die im Verbund stattfindende Manga-Comic-Con und das Lesefest Leipzig liest."

 

Weiter heißt es aber auch - und das lässt darauf schließen, dass die Messe selbst diese Entscheidung möglicherweise nicht getroffen hätte sondern sich dem Druck der Stadt beugen musste:

 

"Das Gesundheitsamt Leipzig folgte der Aufforderung des Bundesgesundheits- und des Bundeswirtschaftsministeriums, wonach eine Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen bei Großveranstaltungen gewährleistet sein muss."

 

Leicht scheint sichdie Messe die Entscheidung nicht gemacht zu haben. Aus den Zeilen geht hervor, dass die Veranstalter wohl ebenso enttäuscht und traurig sind wie die Gäste, Aussteller und die Schriftstelerinnen und Schriftsteller. Aber ändern lässt sich diese Entscheidung nicht - auch wenn sie in erster Linie nicht von der Messe selbst getroffen wurde.

 

 

Ob das Gefühl der ständigen Bedrohung eine mediale Stimmungsmache ist, die Zeitungen, Fernsehen und Radio kurzzeitig  vor dem immer stärker werdenden Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit zu retten vermag - es vergeht keine Stunde, in der nicht neue Meldungen erscheinen - oder aber die Entscheidung sinnvoll und präventiv richtig ist, das ist schwer zu beurteilen. Klar ist, dass die Nachrichtenlandschaft keine Grippewelle, die weitaus gefährlicher und mit höherer Mortalitätsrate JEDES JAHR aufs neue daher kommt so gebührend, fast erwartungsvoll zu Tode reitet wie das neue Virus. Aber das mag eben auch daran liegen, dass Corona neu ist, es keine Impfung und keine gesicherte Behandlung dagegen gibt. Und die Gefahr, sich bei einer Großveranstaltung mit mehreren zehntausend Besuchern anzustecken ist auch ungleich höher, als wenn man zu Hause im Bett ein Buch liest. Deswegen ist der Schritt die Messe abzusagen zumindest nicht als vollkommen hysterisch zu betrachten. Offenbar von Seiten der Stadt Leipzig wurde die Nachricht der abgesagten Messe als erstes verkündet. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland schreibt in einem Artikel vom 03.03. dazu:

"Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), das Leipziger Gesundheitsamt und Messeverantwortliche waren an der Entscheidung beteiligt."

 

Weiter heißt es in dem Artikel:

 

"zunächst hielten die Veranstalter und Aussteller noch an dem Termin fest – nur ein Aussteller von 2500 habe abgesagt aus Sorge wegen des Coronavirus. Man stünde in engem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden und auf dem Messegelände würde auf eine verstärkte Reinigung von Geländern und Türgriffen gesorgt."

 

Aber auch "Leipzig liest" wird abgesagt - die Abendveranstaltungen in der ganzen Stadt, die bei den Besuchern der Buchmesse beliebt sind. Erste Verlage haben bereits reagiert. So postet Verlag Torsten Low nur kurz nach der Verkündung der Messen-Absage auf Facebook ebenfalls eine Absage.

Weitere werden wohl folgen. Aber es gibt auch einige, die sich den Spaß nicht verderben wollen und die trotzdem nach Leipzig fahren. Um dort das zu machen, wofür die Messe steht: Freunde treffen, über Bücher reden, Literatur diskutieren.

 

 

Gewinn aus der ganzen traurigen Misere können aber auch welche schlagen: nämlich die Hoteliers in Leipzig, die ihre Stornobedingungen klar gesetzt haben. So z.B. das Motel One "Post" in Leipzig, dass nun zwar ein leeres Haus haben wird, damit aber mehr verdient als sonst im Jahr. Auf meinen Stornierungsversuch kam die schulterzuckende Antwort:

 

"wir haben das Zimmer wieder in den freien Verkauf gegeben. Sollten wir das Zimmer nicht weiter verkaufen können, berechnen wir Ihnen 90% des Übernachtungspreise."


Kulanz oder sowas wie Fairness kann man von einer Billig-Hotelkette nicht erwarten. So bleibt zumindest eine Branche ohne Verluste - leider ist es nicht die Buchbranche. Doch auch die Deutsche Bahn, bei der manch einer rechtzeitig gebucht hat, um wenigstens die Kosten für die oftmals teuren Tickets günstig zu halten nimmt viele Fahrscheine überhaupt nicht zurück. So bleibt der teure Messebesuch auch teuer wenn gar keine Messe stattfindet.

Ob das Absicht der Stadt war um wenigstens der Hotelbranche was gutes zu tun kann nicht zweifelsfrei belegt werden. Da aber noch am Wochenende Wahlen in Leipzig waren, mag man zumindest darüber nachdenken, warum man im Rathaus so lange mit der Entscheidung zur Buchmesse gewartet hat.


Es gibt aber vielleicht einen Lichtblick. Nicht für Leipzig 2020, aber für eine andere Buchmesse, die in diesem Jahr das erste mal stattfindet. Denn in Saarbrücken wird vom 19-21.06.2020 die erste Buchmesse Saar stattfinden. Saarlandhalle und Congress Centrum wurden gemietet und die meisten großen Verlage aber auch die kleineren und Kleinstverlage werden kommen. Näheres dazu auf der Website der Buchmesse Saar. Karsten Wolter, der gemeinsam mit seiner Frau Diana die Buchmesse Saar veranstaltet sagt über die abgesagte Messe in Leipzig: "Natürlich ist das schade. Aber wer gehofft hat all die alten Bekannten zu treffen, der kann das in Saarbrücken auch tun. Nur halt etwas familiärer". 180 Veranstaltungen sind für die Messe im Juni geplant, knapp 100 Verlage kämen. Und ohne aus der immer noch traurigen Absage aus Leipzig Kapital schlagen zu wollen, freut sich Karsten Wolter auf Besucher: "wir haben so ein geiles Programm, dass sich das lohnt. Auch für die, die in Leipzig jetzt vieles nicht sehen können". Natürlich ist die Messe in Saarbrücken nicht so groß und etabliert wie Leipzig oder Frankfurt  - dafür aber neu und voller Elan. Das Corona dann noch zu Absagen von Messen führt, glaubt Karsten Wolter nicht auch wenn man das jetzt natürlich noch nicht wissen kann.

Und was die Trauer um Leipzig angeht: wer pragmatisch denkt, der freut sich aufs nächste Jahr  - in der Hoffnung, dass dann das Thema Corona nicht mehr dazu in der Lage ist, die halbe Welt erstarren zu lassen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0