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»Basement Tales Vol. 4« ist erschienen

Von der Wiederauferstehung des Pulp-Magazins habe ich euch schon berichtet; die ersten drei Hefte aus dem Hause "the dandy is dead" von Tom Becker waren Beispiele für ein innovatives und uniques Gesamtkonzept, dass aus phantastischen Geschichten, einer hochwertigen künstlerischen Gestaltung und eines passenden Satzes/Layout besteht. Auch dieses Heft, dass nun also das vierte ist, hat wieder ein übergeordnetes Thema: der schwarze Hai. In den Geschichten tauchen dieser immer wieder - mehr oder weniger prominent  auf. Und zwar sechs mal, denn es sind sechs Kurzgeschichten von Autorinnen und Autoren, die bewusst schriftstllerische Ausflüge in Genre machen, die für sie neu sind. Isa Theobald etwa, die schon im zweiten Heft mit einer verstörenden, beklemmden Borderline-Story dabei war, liefert auch hier wieder eine Geschichte. Ebenso Markus Jungen, Christian Endres, Nic Parker, David Grey und Carsten Steenbergen. Erfahrene Phantastik-Leser mögen den ein oder anderen Namen eventuell schon mal gehört habe - und wenn nicht, lernen sie hier neue Stile von Autoren kennen, auf die sie sonst vielleicht nicht gestoßen wären - wer weiß?


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Den Auftakt macht eine Geschichte zwischen Dystopie und Sci-Fi (wobei sich beides ohnehin nicht ausschließt), die Autor Carsten Steenbergen »ein Floß weiter« genannt hat. Atmosphärisch so dicht wie es viele Romane auf 500 Seiten gerne wären und es doch nicht sind erzeugt die Geschichte sofort Bilder im Kopf. Von einem riesigen Wasserbecken,  großen schemenhaften Schatten, die durch

das Wasser rauschen und zwei Menschen, die - wie einst die Gladiatoren - in einer Arena des Todes und des dekadenten Desinteresses bestehen müssen. Zumindest so lange es geht. Eine Geschichte, die Angst und Beklemmung in einem auslöst.

 

Umso faszinierender da für den Softwareentwickler Carsten Steenbergen diese Geschichte selbst etwas Neues war: "Ist immer spannend, wenn man die üblichen Grenzen überschreitet" so Carsten über seine Geschichte.

 

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Das man weniger als zweite DIN A5 Seiten braucht um urbanen Grusel zu erzeugen, das beweißt Christian Endres mit »wir müssen alle verstummen«". Dabei passiert kaum etwas anderes als dass sich zwei Menschen treffen und ein paar Worte wechseln. Na gut, ein Messer ist auch irgendwie beteiligt, aber nur kurz. Schrecken, Wahnsinn, Erkentnis und Tot - all das passiert in Christians Geschichte und man möchte hoffen, dass es weiter geht. Aber die Geschichten sind dann zu Ende, wenn die Autoren es entscheiden.

Bis zum Schluss habe ich mir die Geschichte von David Grey aufgehoben, den ich das erste mal auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse gesehen habe (und der hoffentlich nun keinen Stock mehr braucht). »Die bleichen Blumen des Bösen« heißt seine Geschichte. Und vorab zur Erklärung für alle, die sich das Heft kaufen werden: Ein Teniente ist ein Leutnant. In der Geschichte geht es also um einen Leutnant, der eine Frau verfolgt weil er sie umbringen muss - irgendwo in einem lateinamerikanischen Land. Wo sich hier wohl der schwarze Hai verstecken mag?

 


Auch in diesem vierten Pulp-Heft haben Autorinnen und Autoren Grenzen überschritten, sich in andere Gefilde vorgewagt und in Genre geschrieben, die für sie Neuland sind. Herausgekommen ist eine Sammlung von außergewöhnlich guten Kurzgeschichten, die atmosphärisch, spannend, verstörend und gruselig sind. Eine Qualität, die in manchen Anthologien, die als teures Hardcover auf den Markt kommen so nicht erreicht wird.

Diese Ausgabe wird mit insgesamt vier Postern geliefert, die auf zwei DIN A3 Bögen (Vor- und Rückseite) zu finden sind. Jedes Motiv ist eigen, hat seinen besonderen Stil und macht die Plakate zu einer echten Bereicherung auch wegen ihres künstlerischen Anspruchs. Teils sind sie sehr reduziert, erinnern fast an die alten Afred Hitchcock Plakate (z.B. das Cover zu Alex Hildebrandts »der schwarze Hai«), andere wiederum sind farblich abgestimmt in Rot-, Blau- und Grautönen gehalten wie das zu »ein Floss weiter« von Carsten Steenbergen.

Der Preis von 8,90€ pro Magazin mag für einige nach wie vor erstmal zu hoch wirken - doch die künstlerische Qualität des Magazins, der Standard der enthaltenen Geschichten und die Stimmigkeit eines hochwertig produzierten Produkts rechtfertigen den Preis. Dass es solche Hefte wieder gibt, das sie mit Sorgfalt, Anspruch und Niveau produziert werden zeigt, dass die deutsche Phantastik-Szene vital ist. Man mag es angesichts des Verlagssterbend nicht vermuten, aber Qualität wird sich hoffentlich auch in Deutschland behaupten können. Dies ist den »Basement Tales«, den Autoren, Lektoren, Grafikern - schlicht: allen Beteiligten-  und nicht zuletzt Mastermind Tom Becker zu wünschen.


Zu beziehen sind alle vier Ausgaben der »Basement Tales« über

The Dandy is Dead publishing house


»Basement Tales Vol. 4 - der schwarze Hai«

 

Preis je Heft: 8,90€


Versandart: Großbrief: 1,20€
Päckchen: 4,00€
Plakatrolle: 5,00€

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