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Buch und Buchhandel in Zahlen - Bericht des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

Jedes Jahr bringt der Börsenverein des deutschen Buchhandels einen Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung des deutschen Buchmarkts heraus. Nicht nur für Buchhändler interessant beleuchtet er die verschiedenen Trends und Entwicklungen der wichtigsten Buch-relevanten Themen. Zahlen, Ziffern, Prozente, Trends - alles in n eutralem Ton und ebenso informativ wie aufschlussreich.


So erfährt mann u.a. welches das teuerste lieferbare Buch 2018 war (»Murals of Tibet« von Thomas Laird aus dem Taschen Verlag für 10.000€ - signiert vom Dalai Lama und so überformatig, dass es mit einer beistelltischgroßen Buchstütze geliefert wird), welches der erfolgreichste Export (»Das geheime Leben der Bäume« von Peter Wohlleben, Ludwig Buchverlag) oder in welches Land die meisten Lizenzen verkauft wurden (China: 1.560). Der Jahresbestseller 2018 war übrigens »Töchter einer neuen Zeit« von Carmen Korn. Der größte Verdiener war der Online Buchhandel (Amazon wird einen großen Anteil daran haben); immerhin knapp 20% verdiente alleine er.

Dieser Streifzug durch das turbulente Jahr 2018 und 2019 ist geprägt von guten und schlechten Meldungen. So arbeiten 2018 27.500 Menschen im Buchhandel, das sind 1,2% weniger als 2017.

 

 

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Die Beschäftigten im Vergleich: der Handel hat zwischen 2014 und 2018 ganze 2.200 Mitarbeiter verloren - das ist eine nicht eben niedrige Zahl und möglicherweise eine Auswirkungen u.a. der Weltbild Insolvenz von 2014 (die mittlerweile aber wieder überwunden scheint, denn Weltbild schreibt wieder schwarze Zahlen) aber auch davon, dass in Rente gehende Buchhändler keine Nachfolger finden. Inweiweit die großen Ketten da mit reinspielen ist ungewiss. Größte Buchhandelskette in Deutschland ist Thalia mit alleine 300 Filialen in Deutschland; die Fusion mit der in NRW tätigen Mayerschen Buchhandlung hat offenbar keinerlei kartellrechtliche Konsequenzen. 
Überhaupt ist das Bundesland NRW das kaufkräftigste (aber auch das bevölkerungsstärkste). Wichtigster Hotspot der Verlagsszene hingegen ist hingegen Berlin; die Hauptstadt hat der bayerischen Metropole München längst den Rand abgelaufen. Von den bundesweit 1.982 Verlagen sitzen 149 in Berlin - hier erschienen 2018 die meisten Bücher, nämlich 9.103.

Der Bericht beginnt mit dem wichtigsten Umsatzbringer der Buchbranche: dem gebundenen Buch. Alleine 76% aller Umsätze werden mit Hard- und Softcovern gemacht. Damit steigert dieses Format seit 2016 seinen Teil vom Kuchen immer weiter. Dementgegen verliert das Taschenbuch 2,2% seiner Marktanteile, liegt dabei aber mit 21,4% immer noch auf Platz zwei. An das eBook mag das Taschenbuch wohl etwas verloren haben - viel kann es aber nicht sein. Während 2016 und 2017 der Anteil der eBooks am Markt konstant bei 4,6% lag, stiegt er leicht auf 5% im Jahr 2018 an. Viel ist das immer noch nicht - aber der Trend geht doch zu einem Behaupten auf dem Markt. Denn immerhin 3,6 Mio. Menschen kauften 2018 mindestens ein eBook, das sind rund 100.000 mehr als im Jahr davor. Interessant ist auch die Entwicklung des Hörbuchs: lediglich 3% aller Leser/Hörer haben 2018 auch nur ein Hörbuch gekauft.

Die wichtigste Sparte ist und bleibt die Belletristik. 31,5% macht sie aus - obwohl auch hier 1% Verlust berechnet wurde. Innerhalb der Belletristik verloren die Genre „Sci-Fi und Fantasy“ zusammen 5,3%

 

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Besorgniserregend ist der Fakt, dass es die kleinen, unabhängigen Verlage immer schwerer haben. Die Aufmerksamkeit darauf lenkte bspw. der Schaltzeit Verlag, der auf der LBM 2018 einen Heimtrainer an seinem Stand stehen hatte und mit dem Hashtag #wirmüssenstrampeln darauf hinwies, wie dünn die Luft bei den Kleinen geworden ist. Die fehlenden Ausschüttungen der VG Wort aber auch die KNV Pleite und der Käuferschwund sind ein Grund, die Portoerhöhung auf Büchersendungen der Post ein anderer. Etwas alarmierend klingt da auch die Erhebung für 2017 (weiter ist das statistische Bundesamt noch nicht gekommen) nach der 2% aller Verlage erwirtschafteten 3/4 aller Umsätze. Auch das hat mit Zusammenschlüssen und Fusionen zu tun. So übernahm bspw. der Wörterbuchhersteller Pons (Klett-Cotta) den Konkurrenten Langenscheidt
Die kleinen Verlage versuchen sich frei zu schwimmen und aus dem Schatten der übermächtigen Verlagsgruppen wie Randomhouse und Holzbrick herauszukommen - mit Initiativen wie zusammen-lesen.de, die Literaturkreise vermitteln dagegenanzuarbeiten. Dass das nicht immer gut klappt zeigt auch, dass das Direktgeschäft der Verlage zurückgeht: um 1,2% ist der Umsatz zurück gegangen, der die Jahre davor immer gestiegen war.

Der Sortimentsbuchladen mit 1-3 Mitarbeitern musste was den Gewinn angeht mit einer Nullrunde auskommen, die etwas größeren Läden mit 11-20 Mitarbeiter konnten ihren Umsatz marginal um 1,3% steigern. Insgesamt gab es ein Plus von 1,1% was denkbar wenig aber zumindest kein Rückgang ist. Mit der Ausnahme 2014, in der die Umsätze das erste mal seit 2006 fielen, stiegen sich diese aber weiterhin. Grund könnte auch sein, dass die umsatzstarken Hardcover und andere Novitäten im Preis um 4,7% stiegen. Im Durchschnitt kostete eine Neuerscheinung damit 25,70€ im Gegensatz zu 24,54 im Vorjahr. Grundsätzlich stiegen die Kosten für Bücher allgemein um 1,2%

Generell wurde mehr Geld für Mitarbeiter aber auch die Buchherstellung ausgegeben als für Marketing. Die Kosten für Mitarbeiter stiegen leicht um 1,1%, die Marketingsbudgets fielen um winzige 0,5%. Dass die Kosten für die Herstellung von Büchern gestiegen sind, mag - nach Vermutung des Börsenvereins - auch mit dem Thema Nachhaltigkeit zusammenhängen. Immer mehr Verlage lassen die Schutzfolien weg und suchen nach anderen Möglichkeiten für die Einbandgestaltung. Die Papierpreise sind gestiegen, was zwar einen kleinen aber doch nicht unerheblichen Teil der Produktionskosten ausmacht.

Erfreulich ist hingegen die Zahl der Lizenzabschlüsse: insgesamt 7.844 Buchrechte wurden in andere Länder verkauft. Neben dem oben erwähnten China gingen diese auch an Russland und Italien. Wichtigster Lizenzartikel waren dabei der Kinderbuch-Artikel Bilderbuch.

 

 

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Der flüssig und gut zu lesende Bericht, der jedem Leser gute Einblicke und einen weitreichenden Überblick über die Gesamtzusammenhänge in der Buchbranche bietet ist in nüchternem Ton geschrieben, der alles in allem vorsichtig optimistisch klingt: Die Geschäfte auf dem Buchmarkt sind stabil - wenn auch nicht exorbitant florierend. 0,7% Steigung sind kein Anlass zu großem Jubel, die in den vergangenen vier bis fünf Jahren verlorenen 2.200 Mitarbeiter klingen auch nicht nach einer positiven Entwicklung. Aber immerhin schwindet der Markt auch nicht. Wie sich nach der Übernahme des insolventen KNV durch den Logistikdienstleister Zeitkraft und den alarmierenden Signalen aus Richtung Libri, weiterhin strampelnden Kleinverlagen und den ständigen Fusionierungen der ohnehin schon mächtigen Verlagsgruppen und Buchhandelsketten der Buchhandel 2019 entwickelt hat, das erwarten viele mit Spannung.

 


»Buch und Buchhandel in Zahlen 2019«

MVB GmbH 2019
156 Seiten

44,90€

 

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