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Brom - "der Kinderdieb"

Hinter Brom versteckt sich der US-amerikanische Autor und Illustrator Gerald Brom, der 1965 in Atlanta, Georgia geboren wurde. Seine Jugend verbrachte der Autor hauptsächlich mit Reisen durch Japan und Deutschland, lebte auf Hawai und setzte sich schließlich in Alabama nieder. Als Konzeptkünstler arbeitete er anfänglich für düstere, phantastische Fernsehserien wie die unsagbar schlechte Sci-Fi Serie „Farscape“ aber auch für Filme wie „sleepy hollow“ und „ghosts of Mars“. Anfang der Millennium Jahre begann er schließlich zu schreiben. „Der Kinderdieb“ ist seine dritter Roman.

In diesem September 2018 habe ich vor allem Fantasy gelesen. Das erste Buch, dass ich euch heute vorstellen möchte, war ein Geschenk. Von alleine wäre ich nie auf den Autor, den Verlag oder den Titel gekommen. Doch Stefan Vorer, der junge Mann, der hinter dem Blog 

"Lesen verbindet" steht, hat es mir tatsächlich geschenkt. Ich freue mich ja immer über Geschenke, besonders, wenn ich dadurch neue Autoren kennenlerne, die ich vorher nicht auf dem Schirm hatte - genau so ging es mir bei Brom.

Die Figur auf dem Cover - natürlich ist auch sie von Brom selbst - hat den typischen Brom-Look, den man schon nach kurzer Zeit sofort wiedererkennt. Wem irgendwas an dem Cover wage bekannt oder vertraut vorkommt, wer sich durch das Cover irgendwie an Peter Pan erinnert fühlt - der hat recht. Die phantastische Hauptfigur heißt nicht nur Peter, sie hat auch beabsichtigte Parallelen zu J. M. Barries „Peter Pan“.  Doch dann wieder ist Broms Geschichte ganz weit davon entfernt.


Sie beginnt damit, dass Peter durch die Straßen des heutigen new Yorks zieht und nach Kindern Ausschau hält. Dabei haben es ihm besonders diejenigen angetan, die schon im jungen Alter Gewalt, Unterdrückung und andere Traumata erleben mussten. Diese Kinder spricht Peter an um sie mit in seine Welt zu nehmen. Dabei müssen die Kinder allerdings freiwillig mitkommen. Nick ist einer dieser Kinder, der Peter (den er für reichlich duschgeknallt hält) schließlich halb aus Neugier und halb aus Angst vor marodierenden jugendlichen Gewalttätern folgt. Er hält Peters Gerede für Phantasterien, wird allerdings schnell eines besseren belehrt. Denn zuerst muss Nick überhaupt Peters Welt erreichen.

„Der Kinderdieb“ ist ein düsterer Roman zwischen Dark-Fantasy, Dystopie und Horror wobei die Fantasy Elemente klar überwiegen. Peters Welt ist nämlich weder so fröhlich noch so frei, wie Nick sich das erhofft. Stattdessen gibt es eine Königing, die vor Sorge in einen tiefen, erstarrten Schlaf gefallen ist, eine bösartige Hexe, die im Sumpf ihr Unwesen treibt und fürchterliche, tödliche Monstren. Das ganze Gefüge der Welt ist bedroht durch den schleichenden Verfall, das Absterben des großen Waldes in dem Peter mit seiner Kinderschar lebt.

Das Buch geizt nicht mit gewalttätigen Szenen, mit echtem Grusel und nur wenigen positiven Momenten. Wenn am Anfang noch Gewalt an und von Kindern das große Thema scheint, werden es später Neid, Betrug und Gewalt unter Kindern. Das Gute muss längst nicht immer triumphieren, das scheint Broms Message zu sein. Auch der eigentlich in der Erinnerung des Lesers immer positiv besetzte Peter (auch wenn es nicht Peter Pan ist) erlebt mehr Tiefen als Höhen.

Peter hat es ebenso schwer seine kleine Gruppe zusammen zu halten und für das zu rüsten, was bevorsteht wie auch Nick - neustes Mitglied in Peters Gemeinschaft - sich gegen interne Widersacher behaupten muss.


Bildergalerie aus "der Kinderdieb"


Die Stimmung des Buches ist faszinierend, ebenso wie die Verbindung von allen möglichen Mythologien, die Brom so mixt, wie er das möchte. Ein Teil nordischer Mythos ist dabei, ein wenig germanischer, ein Teil Peter Pan, Anleihen von einer Art dunkler Alice im Wunderland - das alles macht Broms Welt aus. Auch wenn der Roman bereits vor zehn Jahren das erste mal erschien, bietet er auch heute noch eine sehr eigene Form von Magie und Mythos.

Ein Kinderbuch ist „der Kinderdieb“ in keinem Fall, dafür ist es in Teilen zu brutal, vor allem aber zu determiniert. Auch hätte ein Lektor bspw. die Einleitung und auch Teile des weiteren Romans sicher gekürzt, denn mit über 660 Seiten ist das Werk nich eben dünn. Abgesehen von wenigen klischeehaften Figuren gelingt es Brom durchaus eine spannende, gruslige und düstere Geschichte zu schreiben, die einen ganz eigenen Touch hat. 



Die detailreichen und - wie erwähnt - unverwechselbaren Illustrationen von Gerald Brom sind im Inneren des Buches auf sechs Seiten und gedruckt auf glänzendes Fotopapier zu finden und geben den Figuren noch mal mehr Eindruck.

Das Buch erschien ursprünglich 2010 im PAN Verlag, 2011 erneut bei Knaur. Meine Version ist die von PAN - ob es die schönen Seiten aus Fotopapier bei Knaur auch gibt, kann ich leider nicht sagen.

Broms Art zu illustrieren alleine macht keinen guten Roman aus, aber das Zusammenspiel von Geschichte und grafischer Umsetzung runden alles ab.

Ein dünsterer, ganz eigener Fantasy/Horror/Mythologie-Roman mit ganz eigener Atmosphäre und Stil


Das Buch auf Amazon:

Brom - "Der Kinderdieb"

Knaur
664 Seiten


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