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M. G. Wheaton "Emily Eternal"

In den letzten Jahren brachte die Sci-Fi (seit jeher das am breitesten aktzeptierte Subgenre der Phantastik) vermehrt Romane heraus, in denen das Thema KI (also: künstliche Intelligenz) eine tragende Rolle gespielt hat; wohl deswegen, weil die Wissenschaft immer faszinierende Ergebnisse bringt und mittlerweile fast schon dort angelangt ist, wo sie Sci-Fi Autoren vor 20 Jahren noch gesehen haben.

Wheatons Roman versucht einen anderen Ansatz: es geht weniger um einen etwaigen Kampf Mensch gegen Maschine oder biologische vs. künstliche Intelligenz sondern um die Fähigkeiten einer Maschine Emotionen wirklich zu empfinden. Denn Gefühle waren bisher etwas, was nur und ausschließlich biologischen Lebensformen vorenthalten war.

Emily Eternal nimmt also nicht die Rolle eines Griechen ein und wartet im hölzernen Pfed darauf, dass die Trojaner mal nicht hinschauen sondern engagiert sich aktiv auf positive Weise. Dies wird zunehmend schwieriger, denn der ärgste Feind des Menschen ist - ein anderer Mensch. So muss Emily, die immer noch um einen Wissenschaftler trauert der ums Leben gekommen ist (auch das spielt natürlich eine wichtige Rolle im Roman) vermitteln und die Menschen vor sich selbst schützen.

Die interessanten Ansätze, die fast Hope-Punk im Stil von Becky Chambers Wayfarer-Romane vermuten lassen gehen leider in zähen und andauernden Beschreibungen des Innenlebens (weniger des technischen als vielmehr des künstlich-emotionalen) von Emily unter. Die Handlung schleicht voran und das leider auf einem gleichbleibenden Level. Es gibt kaum Höhepunkt und Änderungen im Tempo sondern ein gleichbleibendes Dahinkriechen. Das schadet dem Roman erheblich, denn Wheaton hat sich ganz offenbar vorgenommen eben nicht die gängigen Klischees zu verarbeiten, der ewig gleiche und längst ermüdende Kampf des Menschen gegen den Computer/Roboter erneut wiederzukäuen. Leider funktioniert es nicht da ein Roman eben doch Handlung braucht um hängenzubleiben. Und wenn er die zu wenig hat, braucht es zumindest eine Atmosphäre, in der man sich so wohl fühlt, dass Handlungsarmut höchstens zweitrangig ist. Es gibt durchaus literarische Beispiele - allen voran "Bladerunner" von Philip K. Dick - die es schaffen alleine dadurch zu faszinieren, dass sie größtenteils vom Seelenleben der Protagonisten berichten und eine zügig vorangetriebene Handlung nicht brauchen. "Emily Eternal" gehört nicht zu diesen Werken.

Bei mir hat es nicht gezündet. Das Buch blieb trotz der vielversprechenden Idee farblos, vorhersehbar und schlicht langweilig.

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