Interview mit Tariq Nazar

"Raumkrank" ist Tariq Nazars erstes Werk und gleichzeitig eine in Teilen positive aber auch nachdenkenswürdige, humoristische und Züge von Satire tragendeSci-Fi Geschichte um ein intergalaktisches Krankenhaus und den jungen Austauscharzt Nero, der hier als erstes Mensch reinschnuppern darf. Da "Raumkrank" im Selbstverlag herausgebracht wurde, scheint es selbst den gut informierten Phantasten weitestgehend entgangen zu sein. Warum Tariq Nazar schreibt, ob das erste auch sein letztes Buch war und ob sein beruflicher Hintergrund als Medizinier Einfluss auf seine schriftstellerischen Tätigkeiten hatte und hat - und welche Rolle Douglas Adams als Vorbild spielt, dazu erfahrt ihr in diesem Interview mehr.


Ich nehme mal an, du liest gerne Douglas Adams, hat er dich inspiriert?
 
Douglas Adams war in jedem Fall eine Inspiration. Ich war noch nie ein Freund von Geschichten, die sich selbst zu ernst nehmen. Deshalb war für mich klar, dass ich den Grundton eher locker und etwas albern halten würde. Allerdings wollte ich bei allen wissenschaftlichen Details trotzdem realitisch bleiben. Dieser Spagat zwischen Sinn und Unsinn war natürlich etwas riskant - und ist mir vielleicht nicht immer geglückt.
Das Buch ist 2008 geschrieben worden, seitdem kam nichts mehr. Hast du die Lust am Schreiben verloren oder hattest du keine Zeit?
 
Man ist leider immer schnell dabei, "keine Zeit" als Ausrede vorzuschieben. Aber tatsächlich war neben Arbeit und Familie über lange Zeit wenig Raum zum Schreiben. Dabei ging es gar nicht so sehr um die verfügbare Freizeit, sondern eher darum, dass ich zu selten den Kopf frei hatte. Ich habe vor einiger Zeit aber wieder angefangen zu schreiben. Diese Geschichte ist allerdings etwas ganz anderes als "Raumkrank". Das Genre wäre diesmal eher "Wissenschafts-Thriller". Die zentralen Themen sind Genetik, Spiritualität und Bioterrorismus. Ich kann aber noch nicht so richtig sagen, wie es damit weitergehen wird. Schreiben ist bei mir irgendwie ein sehr phasenabhängiger Prozess. "Raumkrank" ist mir jahrelang im Kopf umhergeschwirrt - und dann wollte das Buch einfach raus. Ich werde wahrscheinlich nie die Art Autor werden, die nach festem Zeitplan schreiben kann...
 
Inwieweit hat dir dein Background als Mediziner dabei geholfen, die Situation eines Krankenhauses so zu formulieren, wie du das getan hast?
 
Mein medizinischer Hintergrund war letztlich der Grund, die Geschichte in einem Krankenhaus spielen zu lassen. Ich wollte einfach ein Setting wählen, mit dem ich mich auskenne. Für meinen Geschmack kommen medizinische und biologische Details in der Phantastik oft zu kurz. Mir hat es sehr viel Freude bereitet, die ganzen technischen und organisatorischen Grundlagen für eine Multispezies-Klinik "durchzufantasieren". Ich hoffe, dass mein Fachwissen dazu beigetragen hat, diese Utopie einigermaßen realistisch zu gestalten.


Dein Buch geht - erfreulicherweise - in die „Hope Punk“ Richtung, die auch Becky Chambers eingeschlagen hat, ist also eine weniger dstopisch-dramatische als eher hoffnungsvolle Geschichte (abgesehen vom letzten Viertel). War das beabsichtigt, wolltest du bewusst etwas eher schreiben, was eine positive Atmosphäre hat?
 
Ich kann gar nicht so genau sagen, wie "bewusst" diese Entscheidung war. Wahrscheinlich liegt das einfach daran, dass ich grundsätzlich ein eher hoffnungsvoller Mensch bin. Die Probleme unserer Zeit sollten wir definitiv ernst nehmen. Aber ich denke trotzdem, dass wir gleichzeitig eine positive Vision von der Zukunft brauchen, auf die es sich hinzuarbeiten lohnt. Ständig nur überall zu sehen, auf welche schrecklichen Weisen die Menschheit untergehen könnte, erscheint mir nicht sehr motivierend. Ich schätze, dass ich deshalb lieber Geschichten mit positiver Grundstimmung erzähle.
 
 
Könntest du dir vorstellen irgendwann in deinem Universum oder einem anderen weiterzuschreiben?
Auf jeden Fall! Das Universum, das ich für "Raumkrank" kreiert habe, lebt ja gewissermaßen schon. Deshalb fällt es mir sehr leicht, diese Welt jederzeit wieder zu "besuchen". Ich habe schon einige Ideen, was in der Klinik noch so alles passieren könnte und welche Entwicklungen den einzelnen Charakteren bevorstehen. Wann genau ich es hinbekommen werde, diese Geschichten auch aufzuschreiben, weiß ich allerdings noch nicht. Aber die Welt von "Raumkrank" wird mich ohne Frage weiter begleiten.
 

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