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»Sieben Arten Dunkelheit« Christian v. Aster

(c) Thienemann 2019
»Sieben Arten Dunkelheit«

Die Nacht ist nicht einfach nur dunkel - und Dunkelheit ist nicht einfach nur schwarz. Sieben Arten Dunkelheit, so lehrt es der alte Meister seine Schüler gibt es. In jeder dieser Dunkelheiten leben andere Kreaturen, die sich von Dunkelheit ernähren. Von so harmlosen Wesen wie Schattenhamster in der ersten bis zu grauenhaften Monstren in der siebten Art kann alles in den Schatten warten. Von den meisten Menschen unbemerkt, scheint sich in der Dunkelheit etwas zu bewegen, was bisher nie da war. Auf einer Südseeinsel schickt der Schattenvater, einer der drei Meister der Dunkelheit seine jugendlichen Schüler aus um sie zu Schattenzähmern ausbilden zu lassen.

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Der 15jährige David hingegen weiß davon nichts. Er hat Angst in der Dunkelheit und versucht zu vermeiden wo es nur geht. Als die blinde Ayumi neu in seine Klasse kommt merkt er aber schnell, warum Angst im Dunkeln nicht immer unbegründet ist.

 Er lernt, dass man nicht nur mit den Augen sehen und den Ohren hören kann, sondern dass es in der Dunkelheit mehr als anderswo um das Fühlen geht.

Christian von Aster gelingt es einen schönen, zumeist zweisträngigen Jugendroman zu schreiben, der allerdings etwas braucht um in Fahrt zu kommen um dann zu abrupt wieder zu Ende zu sein. Das in einem

 Jugendbuch durchaus seine Berechtigung habende Klischee des Außenseiters (gemobbt von den ebenfalls sehr klischeehaften Pöblern, die anderen Mitschülern das Leben schwer machen) ist nicht zu plakativ geschrieben, die Figur des alten Hausmeisters, zu dem David eine Verbindung hat ist eine gute Idee. Ein eigentlich starker Charakter, der durchaus mehr Raum im Buch hätte haben können - wenn es ein Erwachsenenroman gewesen wäre. Denn Klandt hat selbst - und das ohne Vorwissen und ohne von Schattenzähmern und -Vätern zu wissen - herausgefunden, dass da in der Schwärze etwas ist, von dem der Rest der Menschheit nichts weiß. Mich hätte der Roman wäre er aus seiner Sicht vielleicht sogar mehr interessiert. Aber nochmal: für einen Jugendroman ist ist es klar, dass aus der Sicht der jugendlichen Protagonisten berichtet wird. David, der in der Geschichte langsam von Ayumi und ihrem Großvater lernt, was sich in der Dunkelheit verstecken kann, ist der Charakter, von dem der Leser am meisten erfährt.



(c) creepy creatures reviews
Christian v. Aster, LBM 2019

Schemenhafter bleiben da die beiden jugendlichen Schattenzähmer, ein Geschwisterpaar, dessen charakterliche Tiefe nicht gut herauskommt und deren Entwicklung nicht sehr groß ausfällt. Typisch für Christian von Aster sind die sprühenden, leicht kruden Ideen der Wesenheiten, die im Dunkeln leben. Von niedlichen Schattenhamstern und Dusterwulchen bis zu den weitaus weniger putzigen Dämmermahr hat sich der Autor Geschöpfe ausgedacht, die mal Tentakel und mehrere Köpfe und mal wie eine Kreuzung zwischen Frosch und Hase aussehen. Der Sprach- und Wortfetischist von Aster hat sich sprachlich in diesem Roman sehr zurück gehalten, was die Geschichte für jüngere Leser möglicherweise einfacher zu lesen und klarer verständlich macht. Aber auch Erwachsene werden die Geschichte flüssig lesen können und - je nachdem auf welchen von Aster sie ansonsten so abfahren - ihren Spaß damit haben ohne die Wortverästelungen des Autors zu vermissen.

Auch wenn es im Klappentext heißt, das Buch sei für Leser von 12-99 ist es doch in erster Linie ein Jugendroman. Zwar gibt es immer wieder Ansätze von Gesellschaftskritik (etwa wenn Angerissen wird, dass die Südseeinsel beschützt und geschützt werden müsse oder wenn es um die streitenden Eltern Davids geht, den lethargischen Vater, der in einer Fabrik lustlos seine Arbeit verrichtet), aber die sind unterschwellig und werden - Gott sei Dank - nicht mit dem Holzhammer eingehämmert.

 

 

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Wie wandelbar Christian von Aster ist, der sowohl Kobold-Gedichte, Fantasy-Romane, Horror-Kurzgeschichten wie eben auch jugendliche Phantastik schreiben kann, zeigt der Autor mit »Sieben Arten Dunkelheit« einmal mehr.


Das Buch hätte vielleicht mehr Tiefe haben können, wenn es sich auf den David-und-Ayumi-Strang konzentriert hätte und weniger Personal gehabt hätte. Auch wenn es anfangs schleppend läuft, blitzt die astresche Ideenvielvalt immer wieder auf und auch wenn die Geschichte zu viele Schauplätze hat, so kann sie doch auf mulmige und Dunkelheit-ausdünstende Art und Weise unterhalten. Vielleicht sogar leicht gruseln - der Leser mag die Hoffnung haben, dass da in den Schatten unter dem Bett bloß ein Schattenhamster ist und nicht etwas anderes…




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