Interview mit Adrian Tchaikovsky (deutsch)

Geboren wurde der heute als Jurist arbeitende Adrian Tchaikovsky in Woodhall Spa im Bezirk Lincolnshire. Eine Kleinstadt mit rund 4.000 Einwohnern, relativ weit weg von den nächsten größeren Städten wie etwa Lincoln oder Liverpool. Schon als Jugendlicher interessierte er sich für Tiere und da lag es nah, dass er Zoologie studierte. Das reichte ihm aber nicht und so studierte er auch noch Psychologie. Das Schreiben trug zunächst keine Früchte - 15 Jahre lang versuchte er erfolglos einen Verlag für seine Werke zu finden bis schließlich TOR "empire of black and gold" herausbrachte, der erste Teil von Tchaikovskys "shadow of the apt" Serie. Seitdem schreibt er in diesem Zyklus, schaffte aber mit seinem Ausflug in die Sci-Fi und "Kinder der Zeit" auf Anhieb einen gewaltigen Zukunfts-Roman.

Der Mann, der sich 700 Seiten Zeit nimmt um über Evolution und Degeneration zu schreiben und damit einen im wahrsten Sinne des Wortes epochalen Sci-Fi Roman schrieb, äußert sich über seine Faszination von Spinnen, warum Bücher im Deutschen länger sind als im Englischen, seinen "fürchterlichen Pessimismus und warum sich sein Roman trotzdem ein positives Ende hat. 

 

Selbst für Arachonophobiker könnte der Roman faszinierend sein, denn Spinnen werden hier nicht als wuselnde kleine Viecher dargestellt sondern als sich entwicklende Spezies, die vor allem aus gesamelten "Erkentnissen" heraus wächst
 


 

 



creepy creatures reviews:

warum ausgerechnet Spinnen? Warum nicht Delfine, Affen oder Raben?


Adrian Tchaikovsky:

Spinnen, Insekten und alle herumwuselnden Dinge haben mich schon gereizt als ich noch jung war. Mich zog es immer zu Tieren hin - und zwar umso mehr, je unbeliebter und unattraktiver das Tier im allgemeinen betrachtet wurde. Infolgedessen habe ich keine Zeit für Vögel und Säugetiere (ausgenommen Fledermäuse) gehabt aber ich mochte Reptilien und jedwede Art von Wirbellosen Tieren, besonders eben Spinnen und Insekten. Und es sind nicht nur Spinnen - "dog of wars" zum Beispiel hat Cyborg-Hunde und Bären und mein "echos of the fall" Zyklus handeln von Menschen, die sich in Tiger, Wölfe und anderen Tiere verwandeln können. Aber Spinnen und ihre Verwandten waren meine erste Liebe. Es ist eine Herausforderung, den Menschen Spinnen sympatisch zu machen. Es erweitert den Horizont der Menschen wenn sie sehen das etwas, was sie normalerweise als Monster sehen am Ende der Held ist.

 

 

creepy creatures reviews:

inwieweit hat Sie Ihr Wissen als Zoologe und Psychologe beim Schreiben aber auch bei der Themenfindung zu diesem Roman beeinflusst?

 

 

Adrian Tchaikovsky:
Seit der Uni habe ich mir eine amateurhafte Begeisterung für die Welt der Tiere behalten. Tatsächlich hat das in erster Linie zu "die Kinder der Zeit" geführt. Ich stieß auf Verhaltenforschungen zur Portia Labiata Spinnen-Gattung die zeigten was für unglaubliche kognitive Fähigkeiten diese Spinnen besaßen. Und das brachte mich darauf darüber nachzudenken, wohin sich diese Spinnen wohl entwickeln könnten wenn sie die Chance dazu bekämen. Deswegen baut das ganze Buch auch auf das Hand in Hand gehen von Zologie und Psychologie. Anders als bei meinen Fantasy-Romanen musste ich allerdings eine Menge

 

recherchieren um das Buch funktionieren zu lassen. Ich verbrachte viel Zeit dabei mit dem Natural History Museum in London Rücksprache zu halten damit die mir helfen konnten, das mit den Spinnen richtig hinzubekommen. Und ich musste mich auch außerhalb meiner eigenen akademischen Gebiete bewegen um die physikalischen Eigenschaften des Raumschiffs richtig zu beschreiben.

 

 

creepy creatures reviews:
Sie haben ein hoffnungsvolles Ende für "die Kinder der Zeit" gewählt. Sind Ihre eigenen Gefühle - wenn Sie an die Zukunft denken - eher gespannt erwartungsvoll, ängstlich oder irgendwas dazwischen?

 

 

Adrian Tchaikovsky:

Ich bin ein fürchterlicher Pessimist insbesondere wenn es um die menschliche Natur geht. Es erscheint mir sehr wahrscheinlich, dass wir der Grund für unseren eigenen Niedergang sind mit unserer rücksichtlosen Ausbeutung der Resourcen und unserem Versagen irgendeine Art von realistischer, langfristiger Planung zu schaffen. Obwohl es einfacher gewesen wäre das Buch in Ruin in Tragödie enden zu lassen hatte ich das Gefühl, dass die interessantere Geschichte die wäre, in der der Zusammenprall von Menschen und Spinnen eher etwas positives hervorbringen würde als das erwartbare Massaker. Ich glaube auch ganz ehrlich, dass das der Hauptgrund war warum das Buch so erfolgreich wurde. Wir leben gerade in dunklen Zeiten, in denen ein Zeichen von Hoffnung - durch Empathie, Vielfalt und Frieden - drigend gebraucht wird.


 

 

creepy creatures reviews:
Sie brauchen 700 Seiten (zumindest in der deutschen Version, die englische Original-Version ist um 80 Seiten kürzer) um Ihre Geschichte zu erzählen. Gab es Leser, für die das zu lange war?

 


Adrian Tchaikovsky:

In der Vergangenheit hatte ich immer eher Leser, die sich darüber beschwerten, dass die Bücher zu kurz wären. Englische Übersetzungen ins Deutsche führen immer zu mehr Seiten. Ehrlich gesagt bin ich fast erstaunt, dass es nur 80 Seiten sind. Aber ich glaube, dass Sci-Fi Leser diese Länge gewohnt sind. Das Buch ist nichmal annährend mein längstes!

 


creepy creatures reviews:
Wie könnten unsere nächsten Stufen der Entwicklung aussehen?

 

 

 

 


Adrian Tchaikovsky:
Im Moment übt die Evolution keinen großen Einfluss auf uns aus, und das ist vielleicht auch gut so - wenn man bedenkt, welch harte Bedingungen nötig sind, damit es zu einer natürlichen Auslese kommt.. Ich habe das Gefühl, das unsere eigenen Entwicklung technologisch gestützt sein wird - die Erweiterung unserer Definition von "menschlich" und die Ausdehnung von menschlicher Intelligenz auf andere "Gefäße" als den menschlichen Körper. Allerdings müssen wir um das zu schaffen erstmal unsere Gesellschaften festigen anstatt sie zerbrechen und zerfallen zu lassen wie die Menschen in "die Kinder der Zeit"

Vielen Dank Adrian Tchaikovsky!

 

 

 

 

 

 

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15,99€

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