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Voodoo Press macht dicht

(c) Florian Jung - Leipziger Buchmesse 2018
Michael Preissl

Für Fans und leser des Voodoo Press Verlags kam die Ankündigung einem Bombenknall gleich: um zehn Minuten vor Zwöl f am 23.05.2018  kam der Voodoo Press Newsletter mit dem Betreff "Voodoo Press Shutdown". Darin beschreibt der Verlagsgründer Michael Preissl, dass nach zehn Jahren nun wohl der Moment gekommen sei die Buchdeckel endgültig zu schließen. Und es scheint fast so, als wäre es in malta schon fünf vor Zwölf gewesen. Die Verkäufe, so Michael Preissl seien in letzter Zeit rückläufig gewesen. Preissl war stolz darauf den Verlag ohne Kredite und Schulden betreiben zu können, doch "Sobald die Ausgaben die Einnahmen übersteigen ist es an der Zeit sich zu überlegen, ob das alles noch so Sinn macht". Auch auf Nachfrage sagt er "ich wüsste nicht, wie sich die Situation wie sie derzeit ist ändern sollte".


Mit Voodoo Press verlässt einer der wenige Phantastik-Verlage die Bühne, der sich um Qualität ebenso bemühte wie er Experimente nicht scheute. Seien es Ausflüge in die Bizarro-Fiction Ecke mit Carlton Mellick III "Ugly heaven" oder humorvoller Horror von Jeff Strand und außergewöhnlich gute, splatterfreie Werke wie zuletzt Bentley Littles "Influenz" oder Kelan Patrick Burks "Timmy Quinn"- nicht alles wird jedem Leser gefallen haben, aber die Bereitschaft von Preissl und seinen Leuten auch mit als schwierig geltenden Autoren wie Brian Keene zu verhandeln, die Übersetzungskosten auf sich zu nehmen und auch in die Gestaltung und Aufmachung der Bücher zu investieren scheint sich nicht ausgezahlt zu haben. Das ist umso tragischer weil gerade das in der Phantastik fehlt: der Wille, Zeit, Wille, Geld und Energie zu investieren um nicht nur über Amazon billig produzierte Bücher mit im besten Fall solidem Inhalt im Programm zu haben. In Deutschland ist die Phantastik nicht so angesehen wie anderso, sie hat eine weniger größe Lesersschaft und schlichtweg nicht den Verbreitungsgrad, den sie in anderen Ländern hat.

Voodoo Press auf der Leipziger Buchmesse 2018
Voodoo Press Verlagsstand

Doch ein wenig müssen sich die Verlage auch an die eigenen Nase greifen: zu viel seichtes Mittelmaß aus deutschen Federn wird verlegt, zu wenig Wert auf gute, innovative Geschichten gelegt. Aber wenn wo anders gute Titel ohne große Verkaufsaussichten durch sich gut verkaufenden seichten Mainstream auffangen lassen, kann das für kleinere Verlage den wirtschaftlichen Ruin bedeuten.

Michael Preissl und Voodoo Press gehörten zu den wenigen größeren Kleinverlagen, die ein wenig bekannter waren als andere. Vielleicht war es die fehlende Fokussierung auf eine bestimmte Richtung innerhalb der Phantastik, vielleicht waren es doch zu wenig Bücher, die wirklich erfolgreich waren - welche Gründe dazu führten, dass es nun einen deutschsprachigen Phantastikverlag weniger gibt, dass bleibt das Geheimnis des auf Malta lebenden Österreichers. Ein paar Bücher, die schon etwas in der Pipeline liegen werden noch zu Ende gebracht, darunter etwa die Sammlerausgabe von Markus Korbs "Phantasma Goriana", "Milestones" von Kelan Patrick Burke und "Collection" von Bentley Little. Das auch diese Titel den Shutdown nicht mehr aufhalten können, steht wohl fest.

Was bleibt ist die Hoffnung, dass andere Verlage sich den Mut nicht nehmen lassen und auf Qualität wert legen.

Alles Gute an Michael Preissl

Kommentare: 1
  • #1

    creepy creatures reviews (Mittwoch, 23 Mai 2018 16:35)

    mehr dazu auch hier:
    https://www.facebook.com/Voodoo.Press.Verlag/